Die Lokführer-Gewerkschaft hat Streiks beschlossen: Stehen die Züge in Deutschland bald still?  dpa/Christoph Schmidt

Pünktlich zum Start der Urlaubssaison droht Deutschland ein Reise-Chaos.

Bei der Deutschen Bahn rücken Streiks der Lokführer näher. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat nach gescheiterten Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband Move konkrete Arbeitskampfmaßnahmen beschlossen, wie sie am Mittwoch mitteilte. Details sollten aber erst am Donnerstag um 11 Uhr bekannt gegeben werden - die GDL verfolgt eine Strategie der größtmöglichen Verunsicherung.

Im bereits seit einiger Zeit währenden Tarifstreit bei der Deutschen Bahn hatte die GDL zuvor mit längeren Streiks als beim bislang letzten großen Arbeitskampf 2015 gedroht, falls die Bahn aus Sicht der Gewerkschaft kein ausreichendes Angebot vorlegt. „Die Streiks werden härter und länger als in der Vergangenheit“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky dem Nachrichtenportal „t-online.de“. Wann die Streiks beginnen könnten, ließ Weselsky weiter offen.

GDL: Streik in den Sommerferien möglich

„Ich kann Streiks in den Sommerferien nicht ausschließen“, sagte der GDL-Chef. „Das kann nur die Bahn“, fügte er hinzu. „Sie muss ein Angebot auf den Tisch legen, das es verdient, verhandelt zu werden“, forderte Weselsky. Es liege allein an der Bahn, Arbeitskampfmaßnahmen zu verhindern. „Kommt kein Angebot, gehen wir in den Ausstand, sodass die Kunden der Bahn massive Einschränkungen spüren werden.“ Diese Drohungen will die GDL jetzt wahr machen. 

Eine Bahn-Sprecherin sagte AFP, das Unternehmen sei bereit, „sofort an den Verhandlungstisch zu kommen und eine Lösung zu finden“. Eine Einigung bleibe möglich und sei „eigentlich zum Greifen nahe“.

Streik: Experten fürchten eine Reise-Chaos.  imago/Robert Michael

Bahn will verhandeln

„Alles, was es für eine Lösung und weitere Verhandlungen braucht, liegt auf dem Tisch“, sagte die Sprecherin. Die Bahn habe fundierte Angebote gemacht. Weitere Bewegung könne es nur am Verhandlungstisch geben. „Wir fordern die GDL auf, sofort an den Verhandlungstisch zurückzukehren.“

Die GDL hatte am 8. Juni die Tarifverhandlungen mit der Bahn nach der vierten Runde für gescheitert erklärt und bereits Streiks angekündigt. 

Die GDL hatte 4,8 Prozent mehr Lohn ab 1. März gefordert, außerdem eine einmalige Corona-Prämie von 1300 Euro. In der letzten Verhandlungsrunde habe sie ihre Forderungen reduziert, sagte eine GDL-Sprecherin dem Berliner KURIER. Um wie viel, werde ebenfalls am Donnerstag mitgeteilt. Kolportiert werden 1,4 Prozent mehr in diesem Jahr plus Prämie, 1,8 Prozent mehr 2022.

Die Bahn hatte einen Tarifabschluss vorgeschlagen, der den Beschäftigten Einkommenssteigerungen wie im Öffentlichen Dienst im Bereich Flughäfen gebracht hätte. Die Vertragsparteien im Öffentlichen Dienst hatten sich im Herbst auf Lohn- und Gehaltssteigerungen von 3,2 Prozent bei einer Laufzeit von 28 Monaten geeinigt. Wegen des Verkehrseinbruchs gelten an Flughäfen jedoch Sonderregeln mit verzögerten Tarifsteigerungen, verringerter Arbeitszeit und einer Aussetzung leistungsorientierter Bezahlung.

Zweikampf der Gewerkschaften

Die GDL will auf jeden Fall mehr erreichen als ihr größerer gewerkschaftlicher Konkurrent: Im September 2020 vereinbarte die  Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG, dass die Beschäftigten 1,5 Prozent mehr Geld bekommen. Gleichzeitig sind bis Ende 2023 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.

Mit einem Streikerfolg könnte die GDL auch Mitglieder gewinnen, was im Kampf mit der EVG Vorteile brächte: Bislang ist die EVG laut Bahn in über 50 Bahn-Betrieben stärker als die GDL, die nur in etwa 15 mehr Mitglieder als die EVG hat. In jedem dieser Betriebe gilt der mit der jeweils stärkeren Gewerkschaft vereinbarte Tarifvertrag.

 

Reise-Chaos rückt näher

2015 hatte vom 9. bis zum 14. Mai der bislang längste Ausstand in der Geschichte der Deutschen Bahn stattgefunden: Die Lokführer streikten damals 138 Stunden im Güterverkehr, Fahrgäste waren 127 Stunden lang betroffen.

Experten fürchten, dass es in diesem Jahr zu einem Reise-Chaos kommen könnte. Dieses Szenario rückt jetzt näher.