Das ist keine Müllkippe, das ist der Strand bei der indischen Riesenstadt Mumbai, verdeckt  von angespülten Massen von Plastik.
Das ist keine Müllkippe, das ist der Strand bei der indischen Riesenstadt Mumbai, verdeckt von angespülten Massen von Plastik. imago/Hindustan Times/Anshuman Poyrekar

Sein Büro ist nur wenige Kilometer vom Atlantik entfernt, sein Land ist mit dem Ozean eng verbunden, und sein Amt auch. Und so bekommt das Wort des portugiesischen Ministers für Wirtschaft und Meeresangelegenheiten, António Costa Silva, besonderes Gewicht: „Wir haben die Meere in so etwas wie die Klos des Planeten verwandelt. Es an der Zeit, Nein zu sagen.“ Jetzt ist Costa Silva Gastgeber der zweiten Ozeankonferenz (UNOC) der Vereinten Nationen, die sich in dieser Woche in Lissabon mit dem schlechten Zustand der Weltmeere befasst.

António Costa Silva, Portugals Minister für Wirtschaft und Meeresangelegenheiten
António Costa Silva, Portugals Minister für Wirtschaft und Meeresangelegenheiten Regierung Portugal

Für die von Plastikmüll, Überfischung und Artensterben, von Erwärmung und Versauerung, von Korallen- und Gletscherschwund immer mehr belasteten Weltmeere ist es fünf vor zwölf. „Wir müssen jetzt handeln. Und zwar alle“, forderte der UN-Sondergesandte für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Ozeane, Peter Thompson.

Elf Millionen Tonnen Plastikmüll geraten jährlich in die Ozeane

Die Meere seien „durch menschliche Aktivitäten in nie dagewesenem Maße bedroht“, heißt es bei der UNOC. Schon wenige Zahlen machen das Ausmaß des Problems deutlich. Jährlich werden laut Thompson beispielsweise elf Millionen Tonnen Kunststoff in die Ozeane gekippt, „und diese Menge dürfte sich bis 2050 verdreifachen“. Dabei gehören die Bilder von Meeresschildkröten, die sich in Fischernetzen verfangen, von Seevögeln, die ihre Küken mit Plastikteilen füttern, oder von Delfinen, die Einkaufstüten verschlucken, schon jetzt zum Alltag.

Gleichzeitig schreiten die vom Klimawandel verursachte Erwärmung und auch die Versauerung der Ozeane „in alarmierenden Tempo voran“, ließ die Umweltschutzorganisation Oceancare wissen. Bei anhaltender Erwärmung werde die Arktis vor 2050 im Sommer zum ersten Mal praktisch eisfrei sein. Der Anstieg des Meeresspiegels bedroht Inseln und ganze Küstengebiete.

„Kollektives Versagen“ bei der Rettung der Ozeane

„Wir wissen, was getan werden muss. Deshalb ist es ernüchternd, das kollektive Versagen der ganzen Welt mitanzusehen“, klagte Oceancare-Geschäftsführerin Fabienne McLellan. „Was wir jetzt brauchen, sind sinnvolle und mutige Maßnahmen, die messbar und umsetzbar sind.“

Neben Regierungsdelegationen aus etwa 150 Staaten, Wissenschaftlern und Vertretern der Privatwirtschaft haben sich Angehörige von Hunderten Nichtregierungsorganisationen angesagt, die alle Taten fordern. „Wir dürfen nicht noch mehr Zeit mit Gesprächen und Erklärungen verschwenden“, sagte zum Beispiel die Ozean-Beauftragte von Greenpeace in Spanien, Pilar Marcos.

Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) nimmt an der UN-Ozeankonferenz teil.
Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) nimmt an der UN-Ozeankonferenz teil. dpa

Zur Frage, ob konkrete Ergebnisse zu erwarten seien, teilen die UN mit, man erwarte, „dass alle Beteiligten, von Regierungen über Unternehmen bis hin zur Zivilgesellschaft, konkrete und realistische freiwillige Verpflichtungen eingehen, um die verschiedenen meeresbezogenen Probleme anzugehen, die ihre Gemeinden, Länder und darüber hinaus betreffen“.

Zweifel an freiwilligen Verpflichtungen zur Rettung der Ozeane

Das Problem liegt beim Begriff „freiwillig“. Maria Santos von der portugiesischen Umweltorganisation Zero: „Die Erklärung von Lissabon wird nicht bindend sein. Das stellt die Wirksamkeit doch sehr in Frage.“

Dabei geht es nicht nur um das Überleben von bedrohten Meerestieren wie Gelbflossen-Thunfisch, Papageientaucher, Blauwal, Blauhai, Glattrochen oder Karettschildkröten. Die Weltmeere, die über 70 Prozent der Erdoberfläche bedecken und mehr als 80 Prozent des Lebens  beherbergen, sind für Milliarden Menschen Arbeits- und Ernährungsgrundlage.

Sie sind ein entscheidender Bestandteil des globalen Klimasystems, produzieren über die Hälfte des Sauerstoffs, den wir atmen, und absorbieren rund ein Viertel aller CO2-Emissionen.