Durch die Dürre abgestorbene Fichten stehen in Brandenburg zwischen noch gesunden Nadel- und Laubbäumen.  Foto: dpa/Patrick Pleul

Dürre, Stürme und der Befall durch Borkenkäfer haben den deutschen Wäldern im vergangenen Jahr massiv zugesetzt. Die Ergebnisse des Waldzustandsberichts 2020 gehörten zu den schlechtesten seit Beginn der Erhebung im Jahr 1984, sagte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) bei der Vorstellung des Berichts.

„Vier von fünf Bäumen haben eine lichte Krone“, sagte Klöckner (CDU). Entsprechende Probleme fanden die Wissenschaftler demnach bei 79 Prozent der Fichten, jeweils 80 Prozent der Eichen und Kiefern sowie 89 Prozent der Buchen.

Schlimmste Schäden seit 1984

„Der Kronenzustand ist wie ein Fieberthermometer – er zeigt an, wie es den Bäumen geht“, sagte Klöckner. Der Ministerin zufolge waren noch nie so viele für die Erhebung untersuchte Bäume abgestorben wie 2020. Bei knapp 37 Prozent der Bäume wurde festgestellt, dass sie mindestens 26 Prozent ihrer Blätter oder Nadeln vorzeitig verlieren.

Alle aktuellen News aus Politik & Wirtschaft finden Sie hier.

Die aktuelle Untersuchung zeige: „Unsere Wälder sind krank.“ Beim Gegensteuern werde „ein langer Atem“ erforderlich sein, fügte die Ministerin hinzu. Die CDU-Politikerin verwies zugleich darauf, dass insgesamt 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt würden, um Waldbesitzer und Forstwirte zu unterstützen und die Wälder umzubauen, damit diese besser an den Klimawandel angepasst würden.

Warnung vor neuem Waldsterben

Angesichts der alarmierenden Zahlen warnte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vor einem neuen Waldsterben. Die Bundesregierung müsse „endlich wirksame Klimaschutzmaßnahmen ergreifen und gleichzeitig Schadstoffemissionen aus Verkehr, Industrie und Landwirtschaft massiv reduzieren“, forderte der Sprecher des BUND-Arbeitskreises Wald, Jörg Nitsch.

Lesen Sie auch: Boxhagener Platz: 100 Jahre alte Linde stürzt auf Liegewiese – kurz vorher saßen hier noch Dutzende Menschen!

„Die Bilanz von Julia Klöckner ist ernüchternd – sie lässt unsere Wälder sterben“, griff Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe die Landwirtschaftsministerin scharf an. „Statt den Wald zu schützen, hat Julia Klöckner lieber schädliche Baum-Plantagen ohne Zukunft gefördert.“

Der FDP-Fraktionsvize Frank Sitta kritisierte, angesichts der dramatischen Lage in den Wäldern wirkten „die von Agrarministerin Klöckner ins Schaufenster gestellten Waldhilfen so, als wolle man einen riesigen Flächenbrand mit einem Rasensprenger löschen“.