Tracing-Apps waren schon in Singapur erfolgreich zur Eindämmung der Coronavirus-Epidemie. Foto: AFP

Berlin - Auf den Handschlag sollen wir wegen der Corona-Pandemie verzichten. Der „digitale handshake“ könnte aber vielleicht helfen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Im Kampf gegen die rasche Verbreitung der Lungenkrankheit Covid-19 würden Politiker der Union gerne möglichst bald eine App einsetzen, die Bürger freiwillig auf ihrem Handy installieren können. In Österreich wird das schon praktiziert.

Wie eine Art digitales Tagebuch soll die App funktionieren und – falls sein Besitzer positiv auf das Coronavirus getestet wird – automatisch anonymisierte Hinweise an alle Menschen versenden, die in den zurückliegenden zwei Wochen mit ihm Kontakt hatten.

Bedenken wegen Datenschutz

„Jeder Einzelne könnte helfen, indem er die App herunterlädt“, sagte der CSU-Politiker Michael Kuffer. Eine entsprechende Kampagne ließe sich schnell in die Tat umsetzen. In seinem Paket zur Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes hatte auch schon Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf den Einsatz so genannter Tracing-Apps gepocht, strich die Handy-Ortung dann aber aus Datenschutz-Bedenken anderer Parteien aus dem Entwurf (wir berichteten). Es werde jedoch weiter daran gearbeitet, eine mehrheitsfähige Lösung zu finden, so Armin Schuster (CDU), Obmann der Union im Innenausschuss des Bundestages.

Das Rote Kreuz in Österreich hat diese Woche eine „Stopp-Corona-App“ präsentiert. Wer sie auf seinem Handy installiert, muss dafür keine personenbezogenen Daten preisgeben. Ähnliche Überlegungen werden inzwischen auch beim Deutschen Roten Kreuz angestellt.

Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Ulrich Kelber, sieht in einer solchen technischen Lösung zur Identifikation von Infektionsketten eine sinnvolle Hilfe, wenn die Nutzer freiwillig der Datenverarbeitung zustimmen, berichtet „Handelsblatt“. Digitalstaatsministerin Dorothee Bär sagte der Zeitung: „So eine digitale Anwendung wäre sinnvoll, um das Virus zielgerichtet einzudämmen.“ In der Regierung gebe es entsprechende Überlegungen. „Wir müssen die Möglichkeiten der Digitalisierung jetzt nutzen, um die Krise zu überwinden.“