Der frühere Wirecard-Vorstandschef Markus Braun (rechts) sitzt beim Prozessauftakt neben seinem Anwalt Alfred Dierlamm auf der Anklagebank im Gerichtssaal.
Der frühere Wirecard-Vorstandschef Markus Braun (rechts) sitzt beim Prozessauftakt neben seinem Anwalt Alfred Dierlamm auf der Anklagebank im Gerichtssaal. dpa/Peter Kneffel

Er sieht aus wie früher in den Hauptversammlungen von Wirecard: Im dunklen Rollkragenpullover erscheint Markus Braun im Saal des Landgerichts München I, er ist ein trotz inzwischen fast zweieinhalb Jahren Untersuchungshaft drahtig wirkender Mann. Braun wirkt erleichtert, dass sein Fall nun endlich verhandelt wird – zwischendurch scherzt er am ersten Prozesstag mit seinem Verteidiger Alfred Dierlamm.

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Mit „das ist richtig“ oder „absolut richtig“ oder „auch das stimmt“ kommentiert Braun die Daten aus seiner Biographie, die ihm der Vorsitzende Richter Markus Födisch vorhält. Am 5. November 1969 wurde er demnach in Wien geboren, der Österreicher trägt den Doktortitel und ist verheiratet.

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Wirecard-Anleger wurden um mehrere Milliarden Euro geprellt

Was er aber zu den Vorwürfen gegen sich sagt, bleibt zu Beginn des Wirecard-Prozesses offen – denn zunächst hat die Staatsanwaltschaft das Wort. Und geht es nach den Anklägern, ist der so smart auftretende Mann, der als Chef Wirecard zum Börsenliebling machte und in den Deutschen Aktienindex (Dax) führte, einer der größten Betrüger, den die deutsche Wirtschaft je gesehen hat. Der Vorwurf: Anleger sollen um mehrere Milliarden Euro geprellt worden sein, Gelder, die das Unternehmen in Luftbuchungen auf Auslandskonten versickern ließ.

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Egal, ob Braun in dem Verfahren über diese Vorwürfe sprechen wird oder nicht – der Prozess gegen ihn und zwei frühere Manager wird sich ganz zentral auch um das Miteinander bei Wirecard drehen. Denn dass in dem Konzern lange unverborgen so betrügerisch agiert werden konnte, wird auch dem 18 Jahre an der Spitze stehenden Braun und dessen Führungsverständnis zugeschrieben.

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Von einem „System nach dem Prinzip ‚teile und herrsche‘“ berichtete die Münchner Staatsanwaltschaft, von einem „militärisch-kameradschaftlichen Korpsgeist und Treueschwüren“. Hinter all dem soll der frühere Vorstandschef mit seiner als kühl beschriebenen Art der Menschenführung stehen.

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Wirecard-Vorstandschef verbringt drittes Weihnachtsfest im Knast

Für Braun steht jetzt das dritte Weihnachtsfest an, das er in Untersuchungshaft verbringen muss. 2020 ließ ihn die Staatsanwaltschaft festnehmen. Nach erfolglosen Haftbeschwerden blieb er im Gefängnis und dürfte dort vermutlich auch im Verlauf des Prozesses bleiben. Nachdem er zunächst in Augsburg einsaß, wurde er inzwischen nach München-Stadelheim verlegt - aus seiner Zelle dort führten ihn Wachtmeister direkt in den Gerichtssaal.

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Der tiefe Fall des Markus Braun lässt sich an einer Episode gut darstellen: Anfang 2019 wurde ihm von einer Fachagentur auf Grundlage der Auswertung von Presseberichterstattung das beste Image aller Vorstandschefs der damals noch 30 Dax-Konzerne zugeschrieben - besser also als die damaligen Chefs von Volkswagen, Daimler und Bayer. Doch das positive öffentliche Bild kehrte sich ins Gegenteil mit dem Bekanntwerden der Scheingeschäfte, die die Bosse von Wirecard in Milliardenhöhe verbucht haben sollen.

Braun galt als Mastermind von Wirecard. Seine erste Station in Deutschland war in München die Unternehmensberatung KPMG, bevor Braun dann bei der InfoGenie AG landete. Das mit kostenpflichtigen 0190er-Nummern gestartete Unternehmen war eine Geburt der sogenannten New Economy, geriet mit dem Platzen der Internetblase aber in die Krise.

Marcus Braun: Eine steile Karriere

Braun behauptete sich als Krisenmanager bei InfoGenie und blieb auch, als dieses mit Wire Card fusionierte und schließlich zu Wirecard wurde. Schon 2002, also mit gerade mal Anfang 30, wurde Braun Vorstandschef. Weil er sich schon in den Jahren davor auf digitale Bezahlverfahren spezialisiert hatte, galt er als idealer Chef.

Dass Wirecard mit der Zahlungsabwicklung für Glücksspiel und Pornos zu Geld gekommen war, spielte bei dem Aufstieg für Anleger keine Rolle. Auch Braun, der zwischenzeitlich Milliardär war, erlebte einen persönlichen Aufstieg. Vor allem in seinem Heimatland Österreich trat er auch in der Politik auf, den inzwischen unter Korruptionsverdacht stehenden früheren Bundeskanzler Sebastian Kurz duzte er.

Braun könnte also viel erzählen in dem Prozess. Zeit dafür hat er massig - bis 2024 könnte das Verfahren dauern.