Die Deutschen vertrauen mehrheitlich Angela Merkel, aber damit nicht automatisch der CDU. Foto: AFP

Angela Merkel hat mit ihrem gerade in der Corona-Krise unprätentiösen Politikstil extrem großes Vertrauen bei der Mehrheit der Deutschen gewonnen. Bei der kommenden Bundestagswahl entsteht somit für die Union ein Vertrauensvakuum: Rund die Hälfte der jetzigen Wähler der Union werden nicht automatisch wieder der CDU oder CSU ihre Stimme geben. Eine entsprechende Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL und ntv lässt aufhorchen. 

Bei der Befragung von über 1.200 Unions-Wählern erklärten nur 50 Prozent, sie würden „ihre“ Partei „auf jeden Fall“ weiterhin wählen. Die andere Hälfte der Unions-Wähler allerdings (48%) macht ihre Wahlentscheidung davon abhängig, welchen Kanzlerkandidaten die CDU/CSU aufstellt. 

54 Prozent der männlichen und 56 Prozent der über 60-jährigen CDU/CSU-Wähler wollen auch in der Zeit nach Merkel bei ihrer Wahlentscheidung bleiben. 54 Prozent der Frauen allerdings und 58 Prozent der 18- bis 29-Jährigen unter den Unions-Wähler wollen vor einer Entscheidung erst einmal abwarten, wer Kanzlerkandidat wird.

Söder bindet die meisten bisherigen Unions-Wähler an die CDU/CSU

Von den CDU/CSU-Wählern würde Markus Söder als Kanzlerkandidat einen größeren Anteil an die Union binden: Wenn der Bayer für die Union anträte, würden zusätzlich zu den 50 Prozent, die bei ihrer Wahlentscheidung bleiben, 31 Prozent der bisherigen Unions-Wähler CDU oder CSU erneut ihre Stimme geben. Bei einem Kandidaten Söder würden momentan mithin 81 Prozent der bisherigen Unions-Wähler wieder für die Union votieren. Bei einem Kanzlerkandidaten Friedrich Merz würden sich 9, bei Armin Laschet 8 und bei Norbert Röttgen 6 Prozent zusätzlich zu den bereits entschlossenen 50 Prozent für „ihre“ Partei entscheiden. Über 40 Prozent der Wähler wären also unschlüssig, ob sie sich bei einem dieser drei CDU-Kandidaten für die Union entscheiden wollen.

Wechselwähler der Union: 30 Prozent würden grün wählen, 3 Prozent AfD

Wen würden die bisherigen Unions-Wähler wählen, wenn sie sich in der Zeit nach Merkel nicht mehr für die CDU oder CSU entscheiden? 30 Prozent würden sich derzeit für die Grünen entscheiden, 19 Prozent für die SPD, 18 Prozent für die FDP, 8 Prozent für die Freien Wähler und 3 Prozent für die AfD. Dabei zeigen sich zwischen den bevölkerungsreichsten Bundesländern Bayern und Nordrhein-Westfalen erhebliche Unterschiede: In NRW würden 41 Prozent der unschlüssigen bisherigen Unions-Wähler grün wählen – fast doppelt so viele wie in Bayern (23%).

Wenn der Bundestag jetzt neu gewählt würde ...

...könnten die Parteien mit folgendem Ergebnis rechnen: CDU/CSU 35 Prozent (Bundestagswahl 32,9%), Grüne 21 Prozent (8,9%), SPD 15 Prozent (20,5%), AfD 9 Prozent (12,6%), Linke 8 Prozent (9,2%), und FDP 6 Prozent (10,7%). 6 Prozent würden sich für eine der sonstigen Parteien entscheiden (5,2%). Die Zahl der Nichtwähler und Unentschlossenen entspricht mit 23 Prozent in etwa dem Anteil der Nichtwähler bei der Bundestagswahl 2017 (23,8%).

Kleine Verschiebungen gibt es in dieser Woche auch bei den Kanzlerpräferenzen der Bundesbürger. Wenn die Deutschen ihren Kanzler direkt wählen könnten, würden sich 37 Prozent für Markus Söder entscheiden (ein Prozentpunkt mehr als in der Vorwoche). 18 Prozent (ein Minus von einem Prozentpunkt) würden Robert Habeck und unverändert 14 Prozent Olaf Scholz wählen. 31 Prozent würden sich für keinen der drei entscheiden.