Entspannt die Rente genießen? Wenn es nach der Meinung von Wirtschaftsexperten geht, soll das künftig erst ab 70 möglich sein. dpa/Stephan Scheuer

Es ist eine Diskussion, die aktuell wieder neue Fahrt aufnimmt: Kommt die Rente mit 70? Müssen wir bald wirklich alle arbeiten, bis wir 70 Jahre alt sind? Ja, meinen Experten und werden mit ihren Forderungen immer lauter. Die aktuelle Inflation gießt in dieser Diskussion noch einmal Öl ins Feuer.

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Die Inflation ist so hoch, wie seit 40 Jahren nicht mehr. Die Bundesbank rechnet für das Jahr 2022 inzwischen mit einer Inflation von nahezu sieben Prozent. Vor allem wegen des Anstiegs der Energiepreise seien die Inflationsraten im Euroraum auf ein nie da gewesenes Niveau gestiegen, erklärt Bundesbankpräsident Joachim Nagel.

Rente mit 70 soll Inflation abbremsen

Wie kann dieser Teuer-Schock gebremst werden? „Das Renteneintrittsalter muss steigen“, erklärt der Leipziger Ökonom Professor Gunther Schnabl in Bild. „Deutschland hat schon heute ein riesiges Fachkräfteproblem, Hunderttausende Stellen sind unbesetzt“, begründet er seinen Vorstoß.

Das führe dazu, dass beispielsweise die Löhne in den nächsten Jahren kräftig steigen müssen und damit Waren und andere Leistungen (beispielsweise Friseur- oder Restaurantbesuche) noch viel teurer werden. Hält man hingegen mehr Menschen im Berufsleben, weil sie später in Rente gehen, kann diese Entwicklung abgebremst werden.

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Schon vor fast einem Jahr sagte der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Stefan Wolf, den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „Wir müssen zu den Menschen ehrlich sein: Wir werden das Renteneintrittsalter nicht bei 67 Jahren halten können. Wir werden in den nächsten Jahren über ein Renteneintrittsalter von 69 bis 70 Jahren reden müssen.“

Demografischer Wandel spricht für Rente mit 70

Der Grund: Immer mehr Alte stehen immer weniger Beschäftigten gegenüber, die in die Rentenkassen einzahlen. Stichwort: demografischer Wandel. Experten fordern, das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung zu koppeln.

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„Der Mix aus alternder Gesellschaft, hoher Verschuldung und Energiewende wird in den nächsten Jahren zu einer steigenden Gefahr für die Preisstabilität“, weiß auch Professor Stefan Kooths, Vizepräsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW).

Das Renteneintrittsalter soll auf 70 Jahre steigen, wenn es nach der Meinung der Experten geht. dpa/Marijan Murat

Er spricht von einer drohenden „Rentner-Inflation“ und erklärt ebenfalls, dass immer mehr Rentner immer weniger Beschäftigten gegenüberstehen, die Waren herstellen oder Dienstleistungen erbringen können. Folge: noch höhere Preise. Dieses Problem ließe sich nach Kooths Ansicht etwas entschärfen, wenn Arbeitnehmer später in Rente gehen.

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Um die Finanzierung der Rente zu gewährleisten, steigt das Renteneintrittsalter deshalb bereits von 2012 bis 2031 von 65 auf 67 Jahre. Jetzt droht uns also die Rente mit 70.