Der russische Präsident Wladimir Putin. AP/Pool Sputnik Kremlin

So selbstsicher die russische Führung Ende Februar einen Angriffskrieg auf die gesamte Ukraine entfesselte, so sehr muss inzwischen Ernüchterung eingetreten sein. Denn vielerorts trifft Russland auf Gegenwehr: auf dem Schlachtfeld in der Ukraine auf Menschen, die ihre Demokratie verteidigen wollen und auch auf der politischen Bühne auf ein Europa, das sich schneller von Präsident Wladimir Putin abwendete, als er es für möglich gehalten haben muss. Immer neue Sanktionen werden gegen Russland ausgesprochen – und das Land geht daran zugrunde.

EU-Sanktionen treffen Russland bereits

Wie Wirtschaftsprofessor Theocharis Grigoriadis von der FU Berlin der „Bild“ sagte, haben die bisherigen EU-Sanktionen bereits einen großen Einfluss auf Russland. Und weitere sollen kommen. Die EU will den Import russischen Rohöls stoppen. Geplant ist allerdings eine Übergangsfrist, die bis Ende 2024 ausgedehnt werden kann, um die bislang blockierenden Staaten Ungarn und Slowakei mit ins Boot zu holen. Gibt es dann aber das Go für das Embargo, hätte das „schwerwiegende Folgen für die russische Wirtschaft“, so Grigoriadis.

Ohnehin sehe es düster aus für Russlands Wirtschaft. „Alle Faktoren für eine Rezession sind gegeben. Russland entwickelt sich zu einem Entwicklungsland zurück“, so das dramatische Urteil des Osteuropa-Experten. Das Öl-Embargo werde dazu beitragen. „Kurzfristig wird die Maßnahme auch uns treffen, langfristig wird das Embargo aber Russland und damit Putin treffen.“

„Russland hat seine Zuverlässigkeit verloren“

Und das auch über den Krieg hinaus. Denn Grigoriadis sieht derzeit keinen Grund, die Geschäfte mit Russland irgendwann wieder aufzunehmen. „Es ergibt keinen Sinn für den Westen, weiter so zu agieren wie bisher, Russland hat seine Zuverlässigkeit verloren“, sagt er. Hinzu dürfte kommen, dass die EU sich ohnehin verpflichtet hat, so schnell es geht aus den fossilen Energien auszusteigen.

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Die Erdöl-Raffinerie in Schwedt. Hier wird derzeit russisches Rohöl verarbeitet. dpa/Patrick Pleul

Was bringen Putins Sanktionen gegen den Westen?

Den Vergeltungssanktionen Russlands misst Wirtschaftsprofessor Grigoriadis übrigens keine sonderlich große Bedeutung bei. Und das obwohl Präsident Putin per Dekret das Ende russischer Gaslieferungen in den Westen möglich gemacht hat. Konkret verbietet das Dekret die Ausfuhr von Produkten und Rohstoffen an Personen und Organisationen, gegen die Putin Sanktionen verhängt hat. Details sind aber noch unklar.

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Für Grigoriadis hat das aber nur einen „symbolischen Wert“, da es der einzige Wirtschaftsbereich sei, indem Russland Druck aufbauen kann. In allen anderen Bereichen würde das Land keine Rolle mehr spielen. Es befindet sich offenbar tatsächlich auf dem Weg zum Entwicklungsland.