Eine Händlerin verkauft in Mogadischu Weizenmehl, das drastisch teurer geworden ist. AP/Farah Abdi Warsameh

Das Weizenmehl, mit dem die Somalierin Ayan Hassan Abdirahman täglich das Frühstück für ihre elf Kinder zubereitet, kostet sie doppelt so viel wie noch vor ein paar Monaten. Fast der gesamte Weizen, der in Somalia verkauft wird, stammt aus Russland und der Ukraine. Aber beide Staaten haben ihre Exporte auf dem Weg über das Schwarze Meer eingestellt, seit Moskau am 24. Februar den Krieg gegen seinen Nachbarn begonnen hat.

Afrikanische Länder haben laut UN-Statistiken zwischen 2018 und 2020 rund 44 Prozent ihres Weizens aus Russland und der Ukraine bezogen. Die Afrikanische Entwicklungsbank vermeldet bereits einen 45-prozentigen Anstieg der Weizenpreise auf dem Kontinent. Von Couscous in Mauretanien bis hin zu den frittierten Kringeln im Kongo wird alles teurer.

Dürre plagt die Bauern am Horn von Afrika und in der Sahel-Zone

Der Lieferausfall trifft auf eine lange Dürre am Horn von Afrika, wo Somalia liegt, die schätzungsweise 13 Millionen Menschen in der Region mit Hungersnot bedroht.

Abdirahman hat damit begonnen, Weizen in ihrem Fladenbrot durch Sorghum-Hirse zu ersetzen. Aber sie braucht auch Speiseöl, und dessen Preis ist ebenfalls in die Höhe geschnellt. Ein Behälter, den sie auf den Märkten von Mogadischu einst für umgerechnet 15 Euro kaufen konnte, kostet jetzt 42 Euro.

Haju Abdi Dhiblawe, ein Weizenmehl-Importeur, befürchtet, dass es noch schlimmer wird. Denn es droht ein Mangel an Schiffscontainern, um Nahrungsmittel von anderswo her nach Somalia zu transportieren. „Die Somalier haben keinen Ort, um Weizen anzubauen, und wir wissen nicht einmal, wie man ihn anbaut“, sagt er.

Auch in der Sahelzone südlich der Sahara sind 18 Millionen Menschen dem Hunger ausgesetzt: Die Ernten dort sind die schlechtesten seit mehr als zehn Jahren. „Akuter Hunger nimmt noch nie da gewesene Ausmaße an, und die globale Lage verschlechtert sich weiter“, sagte  David Beasley kürzlich, Direktor des UN-Welternährungsprogramms.

Vorsitzender der Afrikanischen Union will nach Russland und in die Ukraine reisen

„Afrika hat keine Kontrolle über Produktion oder Versorgungsketten und ist völlig der Situation ausgeliefert“, sagt Senegals Präsident Macky Sall, Vorsitzender der Afrikanischen Union. Er plant eine Reise nach Russland und in die Ukraine, um das Preisproblem anzusprechen.

Weizenernte in Ägypten: Das Land versucht, die eigene Produktion zu steigern, um den Ausfall der ukrainischen und russischen Liegerungen wettzumachen. AP/Amr Nabil

Putin lässt ukrainischen Weizen rauben

Kremlchef Wladimir Putin hat derweil den Westen aufgerufen, die wegen der Invasion gegen Russland verhängten Sanktionen aufzuheben. Ein Versuch, dem Westen die Schuld für eine wachsende weltweite Nahrungskrise zuzuschieben, die sich dadurch verschärft hat, dass die Ukraine jetzt Millionen Tonnen von Getreide und anderen Agrargütern nicht ausliefern kann, oder die von Russland geraubt werden.

Westliche Vertreter haben Putins Äußerungen zurückgewiesen. US-Außenminister Antony Blinken merkte an, dass Düngemittel und Saatgüter von den Strafmaßnahmen ausgenommen seien.

Bäcker Sylvester Ako in Jaunde (Kamerun) muss mittlerweile damit klarkommen, dass er immer mehr Kunden verliert. Die tägliche Zahl ist von 300 auf 100 geschrumpft, seit die Brotpreise wegen der fehlenden Weizenimporte um 40 Prozent zugelegt haben. Er hat bereits drei seiner sieben Angestellten entlassen. Ein 50-Kilo-Sack Weizen koste ihn jetzt umgerechnet 56 Euro statt 28 Euro, und es mangele an Nachschub.

Dünger zu teuer: Das mindert die afrikanische Produktion von Lebensmitteln

Erschwerend kommt hinzu, dass Landwirte auch 300 Prozent mehr für ihre importierten Düngemittel zahlen müssen. Das dürfte laut  Afrikanischer Entwicklungsbank zufolge zu einem Rückgang der Nahrungsproduktion in Afrika um ein Fünftel führen könnte.

Senegals Präsident Sall ermuntert die Afrikaner derweil dazu, mehr örtliches Getreide wie Hirse zu verzehren, deren Anbau einst der Hauptbestandteil ihrer Nahrung waren, dann aber zugunsten von Reis- und Weizen-Importen vernachlässigt wurden.