Weltweit sind etliche Staaten auf Weizenlieferungen aus der Ukraine angewiesen. dpa/Bernd Wüstneck

Mit der Blockade der ukrainischen Schwarzmeerhäfen schneidet Russland die Welt von den lebenswichtigen Getreide-Exporten aus Europas Kornkammer ab. 25 Millionen Tonnen Getreide stecken fest. Der Chef des UN-Welternährungsprogramms, David Beasley, warnte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vor der größten humanitären Krise seit dem Zweiten Weltkrieg.

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs seien die Weltmarktpreise etwa für Weizen stark gestiegen, so Beasley. Das an sich wäre schon Problem genug, doch Lebensmittel würden auch knapp, sagte er voraus. Schon vor dem Krieg standen Schätzungen zufolge 44 Millionen Menschen in 38 Ländern am Rand einer Hungersnot. Jetzt könnten bis Jahresende weitere 40 Millionen dazukommen.

Deutsche Bahn will Weizentransporte organisieren

Um weiterhin Weizen ausführen zu könne, ist die Ukraine dringend auf alternative Wege angewiesen, wie etwa das Schienennetz. Auch die Deutsche Bahn will die Ukraine jetzt stärker unterstützen. „Angesichts der drohenden Hungersnot in Teilen der Welt und des enormen Bedarfs, Millionen von Tonnen ukrainisches Getreide in die Welt zu exportieren, werden wir als DB Cargo in Abstimmung mit dem Bund weitere Aufträge und Zugfahrten organisieren“, sagte DB-Cargo-Chefin Sigrid Nikutta den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

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Zurzeit fahre DB Cargo mit Tochtergesellschaften in Polen und Rumänien mehrere Züge täglich mit Getreide an verschiedene Seehäfen. „Nun geht es darum, diese Agrarexporte auszuweiten. Ziel sind tragfähige Verbindungen bis an die Seehäfen der Nordsee und des Schwarz- und Mittelmeeres.“

Moskau gibt Westen Schuld an Ernährungskrise

Der Kreml selbst weist allerdings jede Schuld an der Ernährungskrise von sich. Moskau wirft dem Westen vor, die Engpässe mit seinen Sanktionen selbst hervorgerufen zu haben. Russland hindere die Ukraine nicht daran, Getreide etwa mit der Bahn in Richtung Polen auszufahren, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. „Und was den Transport auf dem Seeweg betrifft, so sind wir nicht die Ursache des Problems.“

Die Ursache seien „diejenigen, die Sanktionen gegen uns verhängt haben, und die Sanktionen selbst, die wirken“. Am Mittwoch zeigte sich Vize-Außenminister Andrej Rudenko gesprächsbereit. Laut der Agentur Interfax forderte er zwar eine Aufhebung der Strafmaßnahmen. Zudem müsse die Ukraine alle Häfen entminen. Dann sei Russland aber bereit, eine „humanitäre Durchfahrt“ zu sichern.