Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dpa

Es ist fast schon einen Monat hier, dass die russische Armee dem imperialistischen Befehl von Wladimir Putin folgte und nach Jahren des verdeckten Operierens in der Ostukraine nun ganz offiziell in das Nachbarland einmarschierte und im ganzen Land einen Krieg entfesselte. Große Teile der Welt erklärten sich nach dem Angriff solidarisch mit der Ukraine. Menschen demonstrierten, Politiker ergriffen harte Maßnahmen und Unternehmen zogen sich aus Russland zurück – auch um Druck auszuüben.

Doch nicht alle Unternehmen entschieden sich zu einem Rückzug aus Russland und werden dafür nun vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der die Klaviatur der Öffentlichkeitsarbeit beherrscht, wie kaum ein zweiter, kritisiert. Im Zentrum seiner Ausführungen: Die Lebensmittelriesen Nestlé und Mondelez.

Krieg gegen die Ukraine: Selenskyj kritisiert Nestlé und Mondelez

Die beiden Unternehmen stehen hinter Marken wie Maggi, dem Babybrei Alete, dem Restaurant-Wasser San Pellegrino, der Schokoladen-Marke Milka oder Toblerone und haben eine enorme Marktmacht. Nestlé hat zudem durch viele Skandale vor allem um die Kommerzialisierung von Wasser bei vielen Verbrauchern ohnehin einen schlechten Ruf. Das weiß auch Selenskyj und nannte in einem im Netz verbreiteten Video eben genau diese beiden Konzerne.

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Das Unternehmen Nestlé steht seit Jahren immer wieder in der Kritik. AFP/Fabrice Coffrini

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Dort heißt es: „Unternehmen, die immer noch die russische Militärmaschinerie sponsern und den russischen Markt nicht verlassen haben, obwohl sie dies sofort hätten tun sollen. Sie kennen diese Marken, sie sind sehr bekannt.“ Neben Nestlé und Mondelez nannte der ukrainische Präsident verschiedene Banken und Pharmakonzerne. „Ich appelliere an alle, in jedem Land, wo Sie Einfluss nehmen können. Alles liegt in Ihrer Macht. Alle Geschäfte mit Russland müssen gestoppt werden“, so Selenskyj.

Andere Großunternehmen wie Tiktok, PayPal, Netflix, Adidas und McDonalds haben sich bereits aus Russland zurückgezogen. Burger Kind beispielsweise möchte sich gerne vom russischen Markt zurückziehen, kann das aktuell aber nicht, das sich ein Franchisepartner, der Geschäftsmann Alexander Kolobov weigert.

Nestlé will Geschäft in Russland nicht ganz aufgeben

Bei Nestlé ist die Sache etwas anders gelagert. Dort will man das Geschäft nicht ganz aufgeben. Zwar wurde kürzlich angekündigt, die Werbung für die Produkte einzustellen, Investitionen einzufrieren und gewisse Produkte wie San Pellegrino-Wasser oder Nesspresso-Produkte nicht mehr zu verkaufen.

Lediglich „lebenswichtige Produkte“ würden in Russland noch verkauft, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Und: „Wir erzielen mit unseren verbleibenden Tätigkeiten keinen Gewinn. Dass wir wie andere Lebensmittelfirmen die Bevölkerung mit wichtigen Lebensmitteln versorgen heißt nicht, dass wir einfach weitermachen wir vorher.“

Ukrainische Zeitung: Nestlé bezahlt Putin jedes Jahr 500 Panzer

Wie vorher: Das würde laut der Rechnung einer ukrainischen Zeitung bedeuten, dass allein Nestlé durch die Steuern, die das Unternehmen in Russland zahlt, Putin jedes Jahr 500 Panzer finanziert. Eine dramatische Rechnung, die der schweizer Konzern nun eben die Menschen in Russland entegegenstellt, denen man keine Lebensmittel des täglichen Bedarfs vorenthalten will.

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Denkt man an die zahlreichen Fälle in der Vergangenheit, in denen Nestlé sich bereits seiner gesellschaftlichen Verantwortung entzogen hat, hat diese Verweigerungshaltung aber mindestens ein Geschmäckle.