Ein Wohnhaus in Mariupol brennt nach dem Einschlag einer Rakete.
Ein Wohnhaus in Mariupol brennt nach dem Einschlag einer Rakete. AP/Evgeniy Maloletka

Der 24. Februar 2022 war der Tag, an dem sich die Welt, wie wir sie kannten, schlagartig veränderte. Russland griff die Ukraine an, seitdem überschlagen sich täglich die Meldungen aus dem Krieg. Trauer, Wut, Zerstörung, Bilder von Toten und Verletzten – es ist kein Wunder, dass die Angst davor, dass sich der Krieg auch bis zu uns ausbreiten könnte, unzählige Menschen bewegt.

Immer mehr Menschen rufen mit Ängsten bei der Telefonseelsorge an

Auch bei der Telefonseelsorge rufen immer mehr Menschen an, die Ängste vor dem Krieg äußern. Nahezu jedes fünfte Gespräch drehe sich um dieses Thema, sagte Ludger Storch, Leiter der Telefonseelsorge Bochum. Etwa ein Drittel dieser Anrufer äußerten starke Ängste oder hätten Panikattacken, sagte der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Statistik.

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„Hauptsächlich geht es dabei um die Angst, dass der Krieg auch zu uns herüberkommt und unser Leben zerstört“, sagte Annelie Bracke, Leiterin der katholischen Telefonseelsorge in Köln. Manche Anrufer hätten konkrete Bilder vor sich, etwa dass ihre Wohnung zerbombt oder ihre Liebsten getötet werden könnten. „Viele empfinden ein Ohnmachtsgefühl, weil sie nicht wissen, wie sich der Krieg weiterentwickelt.“

Bei den Anrufern handele es sich um Menschen jeden Alters, sagte Bracke. Es seien viele jüngere Menschen, die Zukunftsängste hätten, teilweise aber auch ältere Leute, die sich nun an eigene Kriegserlebnisse erinnert fühlten. Storch: Wichtig, Ängste auszusprechen Schon unmittelbar nach Beginn des russischen Angriffs am 24. Februar hätten sich zahlreiche Anrufer bei der Telefonseelsorge gemeldet, sagte Storch. In den ersten Tagen ging es demnach in einem Viertel der Gespräche um dieses Thema, inzwischen seien es noch etwa 18 Prozent.

Expertin rät: DAS können Sie gegen Ihre Ängste tun

Die Zahl von Menschen, die per Chat oder E-Mail Rat suchten, sei deutlich gestiegen. „Hauptsächlich melden sich Leute, die keine Möglichkeit haben, mit jemand anderem darüber zu sprechen“, sagte Storch. „Bei Ängsten ist es generell wichtig, dass man sie ausspricht“, erklärte Bracke. „Das entlastet schon mal.“

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Für die Berater und Beraterinnen stehe das aktive Zuhören im Vordergrund. „Die Sorgen dürfen nicht beschwichtigt, sondern müssen ernst genommen werden.“ Wer wegen der Ukraine-Krise große Angst verspüre, solle nicht den ganzen Tag pausenlos Nachrichten schauen, riet Bracke. Alltagsroutinen könnten helfen, sich abzulenken.