Zersplitterte Fenster, davor Tragen und Rollstühle: Das Krankenhaus im heftig umkämpften Bachmut, in dem verwundete ukrainische Soldaten behandelt werden.
Zersplitterte Fenster, davor Tragen und Rollstühle: Das Krankenhaus im heftig umkämpften Bachmut, in dem verwundete ukrainische Soldaten behandelt werden. AP/Libkos

Angesichts neuer russischer Versuche, im Osten der Ukraine deren Truppen zu überrennen, haben die USA signalisiert: Wir haben nichts dagegen, wenn Deutschland der Ukraine Leopard 2-Panzer oder Patriot-Flugabwehrsysteme liefert.  „Unsere Position ist in beiden Fällen dieselbe: Es ist Deutschlands Entscheidung, was Deutschland tut“, sagte Vizeaußenministerin Wendy Sherman während eines Besuchs in Berlin.

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Die Ukraine fordert seit Monaten Leopard-2-Panzer und Patriots, um in dem bald zehn Monate andauernden Krieg weiter standhalten zu können. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat immer wieder betont, dass es dabei keine deutschen Alleingänge geben werde. Bisher hat kein Nato-Staat solche Panzer geliefert.

Scholz will weiter mit Putin telefonieren

Scholz setzt weiter auf Telefonate mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. „Wir sind völlig unterschiedlicher Meinung“, sagte Scholz in einer Fragerunde mit Bürgern in seinem Potsdamer Wahlkreis. „Trotzdem werde ich weiter mit ihm reden, weil ich ja den Moment erleben will, wo es möglich ist, rauszukommen aus der Situation. Und das geht nicht, wenn man sich nicht spricht.“

Scholz hat seit Kriegsbeginn mehrfach mit Putin telefoniert. Das „wirklich Bedrückende“ sei für ihn, dass Putin trotz massiver Verluste daran festhalte, ukrainisches Territorium gewaltsam erobern zu wollen.

„Putin will die Ukraine zerstören“

Diplomatische Bemühungen um ein Ende des Krieges sieht der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, derzeit nur wenige. „Es läuft etwas auf Sparflamme“, sagte Heusgen im Bayerischen Rundfunk. Telefonate seien richtig, damit nicht Sprachlosigkeit herrsche. Putin habe allerdings „keinen Zentimeter verändert an seiner grundsätzlichen Position, nämlich, dass er die Ukraine zerstören will, dass er die Ukraine in Russland einverleiben will“. Deswegen müsse man weiter auf Kiews militärischen Sieg setzen.

Russland hat zuletzt nach eigenen Angaben im Osten der Ukraine in den Gebieten Luhansk und Donezk mit einer neuen Offensive begonnen. „Im Raum Donezk haben die russischen Einheiten ihre Angriffe fortgesetzt und den Gegner aus seinen befestigten Stellungen vertrieben“, sagte Armeesprecher Igor Konaschenkow am Sonnabend. Auch im Norden zwischen den Kleinstädten Kreminna und Lyman habe man Stellungen erobert. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben nicht.

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Serhij Tscherewatyj, Sprecher der Heeresgruppe Ost der ukrainischen Streitkräfte, berichtete im Fernsehen von schweren Kämpfen vor allem an den Orten Bachmut und Awdijiwka. „Der Feind hat seine Taktik geändert“, sagte Tscherewatyj. Anstelle von Angriffen größerer Einheiten erfolgten nunmehr Attacken kleinerer Gruppen, dabei vor allem der Söldnertruppe „Wagner“, unterstützt von Artillerie. 

Ukraine ist im Donbass-Gebiet Donezk in der Defensive

Bereits seit Wochen gibt es Berichte, wonach die ukrainische Armee im Gebiet Donezk in der Defensive ist. Weiter im Norden hingegen haben die Ukrainer nach der Vertreibung der russischen Truppen aus dem Gebiet Charkiw die Initiative.  

Nach weiteren russischen Raketenangriffen wird in der Hafenstadt Odessa im Süden nach Angaben der Behörden der Strom längere Zeit ausfallen. „Die Reparaturarbeiten nehmen mehr Zeit in Anspruch als sonst“, teilte der Vizechef des Präsidialamtes, Kyrylo Tymoschenko, mit. Ein Angriff in der Nacht habe die Stadt völlig lahmgelegt. Bisher sei nur möglich, wichtige Objekte wie Krankenhäuser, Pumpstationen und Wärmekraftwerke mit Strom zu versorgen.

Menschenrechtler mit Friedensnobelpreis ausgezeichnet

Die Vorsitzende des ukrainischen Zentrums für bürgerliche Freiheiten (CCL), Olexandra Matwijtschuk (r.), der Chef der in Russland verbotenen Menschenrechtsorganisation Memorial, Jan Ratschinski, und Natalja Pintschuk, die Frau des inhaftierten belarussischen Menschenrechtsanwalts Ales Bjaljazki, nahmen die Friedensnobelpreise in Oslo entgegen.
Die Vorsitzende des ukrainischen Zentrums für bürgerliche Freiheiten (CCL), Olexandra Matwijtschuk (r.), der Chef der in Russland verbotenen Menschenrechtsorganisation Memorial, Jan Ratschinski, und Natalja Pintschuk, die Frau des inhaftierten belarussischen Menschenrechtsanwalts Ales Bjaljazki, nahmen die Friedensnobelpreise in Oslo entgegen. AFP/Rodrigo Freitas

Ein Signal an Kremlchef Putin sehen Beobachter in den Trägern des diesjährigen Friedensnobelpreises: Menschenrechtler aus Belarus, Russland und der Ukraine wurden am Samstag in Norwegens Hauptstadt Oslo ausgezeichnet. Die Vorsitzende des ukrainischen Zentrums für bürgerliche Freiheiten (CCL), Olexandra Matwijtschuk, und der Chef der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial, Jan Ratschinski, nahmen die Preise persönlich entgegen. Der inhaftierte Menschenrechtsanwalt Ales Bjaljazki aus Belarus wurde von seiner Frau Natalja Pintschuk vertreten.