US-Präsident Joe Biden bei seiner Ansprache im Weißen Haus. AP/Harnik

Die Gefahr ist groß: An der Grenze zur Nato tobt ein Krieg, der sich rasch zu einem weltweiten ausweiten könnte. Eine direkte militärische Konfrontation in der Ukraine zwischen dem US-Militär und den russischen Streitkräften muss deshalb nach Ansicht von Präsident Joe Biden verhindert werden, damit es nicht zu einem „dritten Weltkrieg“ kommt.

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Das US-Militär und die Nato-Partner werden „jeden Zentimeter“ des Bündnisgebiets geeint und „mit voller Macht“ verteidigen, schreibt Biden auf Twitter. „Aber wir werden in der Ukraine keinen Krieg mit Russland führen. Eine direkte Konfrontation zwischen der Nato und Russland ist der dritte Weltkrieg – und etwas, das zu verhindern, wir uns bemühen müssen“, schreibt der Demokrat. Die Ukraine ist kein Nato-Mitglied.

Bei einem Auftritt vor Parteifreunden im US-Bundesstaat Pennsylvania hatte sich der Demokrat Biden am Freitag auch zu der Debatte um die mögliche Übergabe von Kampfflugzeugen an die Ukraine geäußert. Es dürfe keine Situation geben, in der die USA Flugzeuge oder Panzer mit amerikanischer Besatzung in die Ukraine schickten, sagte Biden. „Das muss man verstehen, da darf man sich nichts vormachen, egal was alle sagen – das heißt dann dritter Weltkrieg“, sagte der Präsident.

Der Westen plant weitere Sanktionen gegen Russland

Gegenüber Russland plant der Westen derweil weitere Sanktionen. US-Präsident Biden kündigte an, die USA und ihre G7-Partner sowie die EU würden Russland den Status einer „meistbegünstigten Nation“ entziehen. Ein solcher Schritt würde den Weg für Zollerhebungen und weitere Handelsbeschränkungen ebnen. Die USA kündigten zudem weitere Import- und Exportverbote im Handel mit Russland sowie mit Belarus an.

Die russische Armee rückt derweil weiter auf die ukrainische Hauptstadt Kiew vor und weitet zugleich ihre Offensive im Osten des Landes aus. Am Freitag griff die russische Armee erstmals die Industriestadt Dnipro an. Nach Angaben der Rettungskräfte wurden mehrere zivile Gebäude bombardiert, mindestens ein Mensch wurde getötet. Besonders dramatisch ist die Lage weiterhin in der Hafenstadt Mariupol. Die USA und ihre Verbündeten kündigten derweil neue Handelssanktionen gegen Russland an.

Dieses von der ukrainischen Armee veröffentlichte Foto zeigt einen Angriff auf eine russische Panzerkolonne in einem Vorort von Kiew. Ukrainian Military Defense/ZUMA Press Wire Service/dpa

Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj sprach am Freitag von einer „humanitären Katastrophe“. In Kiew und anderen Städten gebe es keinen Strom, kein Gas, kein Wasser mehr. Russland wolle die Ukraine „zerstören“ und ziehe dazu auch „syrische Mörder“ heran, warnte er. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte zuvor den Einsatz von 16.000 „freiwilligen“, hauptsächlich aus dem Nahen Osten stammenden Kämpfern in der Ukraine bewilligt.

Selenskyj richtete einen Appell an die Mütter russischer Soldaten. „Schicken Sie Ihre Kinder nicht in den Krieg in einem fremden Land“, sagte er in einer Videobotschaft. „Die Ukraine hat diesen schrecklichen Krieg nie gewollt.“ Sein Land werde sich aber gegen den russischen Angriff verteidigen.

In Mariupol wurden bislang 1500 Menschen getötet

Die russische Armee weitete ihre Offensive in der Ukraine zuletzt deutlich aus. Neben Kiew und Mariupol nehme Russland mehrere Städte im Zentrum und Osten ins Visier, teilte das ukrainische Militär mit. Zudem bombardiere die russische Armee die Städte Luzk und Iwano-Frankiwsk im Westen des Landes.

Besonders dramatisch ist die Lage im seit mehr als zehn Tagen von der russischen Armee eingekesselten Mariupol. Nach Angaben der örtlichen Behörden wurden seit der Belagerung mindestens 1500 Menschen getötet; das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) berichtete von katastrophalen Bedingungen für die noch rund 300.000 in der Stadt eingeschlossenen Zivilisten. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen warnte vor einer „unvorstellbaren Tragödie“.

Inzwischen befinde sich auch die Hauptstadt im „Belagerungszustand“, erklärte am Freitag der Präsidentenberater Mychailo Podoljak. Kiew sei „bereit zu kämpfen“ und werde „standhaft bis zum Ende sein“, twitterte er.

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Die im Nordwesten gelegenen Vorstädte Kiews werden seit Tagen von schweren Luftangriffen erschüttert. Mittlerweile nähert sich die russische Armee der Hauptstadt aber auch von Nordosten her. Ukrainische Soldaten berichteten AFP-Reportern von heftigen Kämpfen um die Kontrolle der wichtigsten nach Kiew führenden Autobahn bei Welyka Dymerka.