Vormann Oleh Braharnyk vom ukrainischen Energieversorger DTEK an einer Hochspannungsleitung bei Kiew.
Vormann Oleh Braharnyk vom ukrainischen Energieversorger DTEK an einer Hochspannungsleitung bei Kiew. AP/Andrew Kravchenko

Oleh Braharnyk und seine Kollegen sind die unbewaffneten Helden der Ukraine: Immer wieder müssen sie ran, wenn die Russen wieder einmal die Stromversorgung in Kiew mit Drohnen, Raketen oder Marschflugkörpern zerstört haben, manchmal ganze Stadtviertel von der Elektrizität abschneiden. Und wenn die Männer arbeiten, ist die Befürchtung dabei, es könnte wieder russischen Beschuss geben. „Niemand weiß, ob sie nicht noch einmal dort zuschlagen, wenn wir im Einsatz sind, eine Stelle zu reparieren, die sie gerade erst getroffen haben.“

Lesen Sie auch, was gerade bei den Mieten in Berlin und Brandenburg geschieht >>

Neben dem Strom fallen auch Wasser- und Wärmeversorgung aus

Teamleiter Braharnyk vom Energieversorger DTEK kann sehr gut verstehen, welche Last die Stromausfälle bedeuten: „Auch wir sitzen im Dunkeln.“ Nur etwa die Hälfte des Tages hätten er und seine Familie Strom. Und mit dem Strom fallen bei gegenwärtig Temperaturen um die Null Grad häufig auch Wasser- und Wärmeversorgung aus. 

Kein Strom, kein Aufzug: Anastasia Pyrozhenko steigt in Kiew die Treppe zu ihrer Wohnung hinauf, eine Lampe in der Hand. 
Kein Strom, kein Aufzug: Anastasia Pyrozhenko steigt in Kiew die Treppe zu ihrer Wohnung hinauf, eine Lampe in der Hand.  AP/Andrew Kravchenko

Braharnyk und sein Team sind in ständiger Alarmbereitschaft. Als am 23. November die ersten Raketen einschlugen, eilten sie zu einem der Notfälle und legten fest, was getan werden musste. Für die eigentlichen Reparaturen holten sie sich dann Verstärkung.  Oft müssen erst Sprengstoff-Experten grünes Licht für die Reparatur geben.

Die Hälfte des ukrainischen Energieversorgungsnetzes ist beschädigt

Dass die Angriffe auf Gas, Wasser und Strom zu einer weiteren Front im Winter geworden sind, das hat die ukrainische Führungsriege der Bevölkerung deutlich gemacht. Aktuell ist etwa die Hälfte des ukrainischen Energieversorgungsnetzes vor allem nach dem Großangriff vom 23. November immer noch beschädigt.

Damals fielen sechs der DTEK-Wärmekraftwerke aus, bis zu 70 Prozent der Einwohner Kiews waren ohne Strom. Zwar waren die Kraftwerke binnen 24 Stunden wieder am Netz, doch die Energieversorgung ist nach wie vor beeinträchtigt. Tagsüber sei rund ein Drittel der Einwohner Kiews betroffen, sagt DTEK-Sprecherin Antonina Antoscha. Seit Anfang Oktober wurden nach DTEK-Angaben die Einrichtungen des Unternehmens 17 Mal Ziel von Angriffen. Mehrere Beschäftigte seien getötet worden.

Weit weg von Kiew, am Schwarzen Meer, hat es zuletzt am Sonnabend Odessa getroffen, wo es zum Glück mit rund 5 Grad nicht so kalt ist. Mehrere hunderttausend Menschen saßen zunächst im Dunkeln. Teilweise gebe es wieder eine Versorgung, es dürfte aber Monate dauern (und keine weiteren Angriffe geben), um den Normalzustand wieder herzustellen.

Selenskyi: Viele Regionen der Ukraine teilweise ohne Strom

„Im Moment ist es in Odessa und in anderen Städten und Regionen des Gebiets gelungen, teils die Lieferungen wieder aufzunehmen. Wir tun alles, um unter diesen Bedingungen nach den russischen Treffern das Maximum herauszuholen“, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj. „Kiew und Umgebung, Oblast Lemberg, Oblast Winnyzja, Oblast Ternopil, Oblast Tschernowyz und die Oblast Transkarpatien, Oblast Sumy, Oblast Dnipropetrowsk – die Situation bleibt sehr schwierig“, sagte Selenskyj.