Ein Krankenwagen der sogenannten Donezker Volksrepublik transportiert ukrainische Verwundete aus dem Stahlwerk Asovstal ab. imago/SNA/Alexey Kudenko

Noch ist die Schlacht um das Stahlwerk Azovstal in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol nicht beendet. Gut 50 schwer verwundete ukrainische Soldaten sowie rund 210 weitere Kämpfer konnten es verlassen, gerieten in russische Gefangenschaft. Die Verwundeten sollen in ein Krankenhaus der Stadt Nowoasowsk im ostukrainischen Separatistengebiet werden, hieß es. Jetzt sollen sich noch mehrere hundert Soldaten im Werk aufhalten.

Letzter Stützpunkt der Ukraine an der Küste zwischen Russland und Krim

Das Werk ist letzter Stützpunkt der Ukrainer in der seit Ende Februar umkämpften und jetzt weitgehend verwüsteten Großstadt, wo Tausende Zivilisten getötet wurden. Es ist der einzige Ort am Asowschen Meer zwischen Krim und russischer Grenze, der noch nicht von den Russen und den Separatisten erobert wurde.

Vor einer Woche hatten die Verteidiger des Stahlwerks Bilder wie dieses veröffentlicht: Der Mann hat einen Arm verloren. dpa/Dmytro „Orest“ Kozatskyi/Azov Special Forces Regiment of the Ukrainian National Guard Press Office

Zivilisten, die sich in die Anlage geflüchtet hatten, sollen inzwischen alle herausgekommen sein. Dann wurde laut Ukraine unter Beteiligung der UNO und des Roten Kreuzes über die Soldaten verhandelt, die zum Teil unter erbärmlichen Bedingungen und ohne hinreichende medizinische Versorgung in den unterirdischen Anlagen lagen. Laut Ukraine sollen die herausgeholten Männer gegen russische Gefangene ausgetauscht werden.

Rauchschwaden stiegen während russischen Beschusses des Stahlwerks in Mariupol auf. AFP

Russland hatte das Werk auf Anweisung von Waldimir Putin nicht erstürmt, sondern mit Artillerie und Raketen beschossen. Ein Vorgehen, das der britische Militärgeheimdienst auch im weiter tobenden Krieg im Osten der Ukraine beobachtet. Durch „wahllosen Artilleriebeschuss“ versuche Russland, seine Offensive „wieder in Schwung zu bringen“.

Bundeskanzler erwartet kein baldiges Ende des Kriegs in der Ukraine

Angesichts der Lage sagte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bei „RTL Direkt“, er erwarte kein baldiges Ende des Kriegs. „Bisher ist es leider nicht so zu erkennen, dass die Einsicht gewachsen ist, dass man das jetzt hier so schnell wie möglich beendet.“ Man müsse sich auch „Sorgen machen, dass es eine Eskalation des Krieges gibt“.

In dem Interview musste er zugeben, dass es noch immer nicht gelungen ist, Munition für die 50 von der Bundeswehr ausgemusterten Flak-Panzer „Gepard“ aufzutreiben, die der Ukraine versprochen worden waren.

Nicht voran geht es auch mit einem Öl-Embargo der EU gegen Russland: Ungarn sperrt sich, will Milliarden Euro als Kompensation. Beim Nato-Beitritt Finnlands und Schwedens muss die Türkei noch überzeugt werden, zuzustimmen.