Der Hafen von Odessa im Mai. Hier sollen nun zwei Marschflugkörper einen Frachthafen getroffen haben.
Der Hafen von Odessa im Mai. Hier sollen nun zwei Marschflugkörper einen Frachthafen getroffen haben. Imago/Yay Images

Bereits in den vergangenen Jahren hat sich gezeigt: Das Wort des russischen Diktators Wladimir Putin und seiner Getreuen ist nicht immer viel wert. Laut neuesten Berichten gilt das wohl auch für einen Deal, der am Freitag erst eingetütet wurde und für viel Erleichterung gesorgt hat: das Getreideabkommen mit der Ukraine. Wie die Behörden des vom Krieg gebeutelten Landes nun melden, haben die russischen Aggressoren am Samstag den Hafen von Odessa mit Raketen angegriffen.

Trotz Getreide-Deal: Russland greift Hafen von Odessa an

„Gestern wurde der Export über den Seeweg vereinbart, und heute greifen die Russen den Hafen von Odessa an“, klagte der Chef des ukrainischen Präsidentenbüros, Andrij Jermak, am Samstag. Russland bombardiere die Hafenstadt. Nach ukrainischen Militärangaben wurden zwei russische Raketen von der Luftabwehr abgefangen, zwei weitere seien im Handelshafen eingeschlagen, hieß es. Auch die Tagesschau bestätigte, dass zwei Marschflugkörper einen Frachthafen getroffen haben.

Russland hatte am Freitag in dem Abkommen zugesichert, die Schiffe über einen Seekorridor fahren zu lassen und nicht zu beschießen. Auch die beteiligten Häfen dürften dabei nicht angegriffen werden.

Der Raketenbeschuss werfe Zweifel auf an dem am Freitag in Istanbul unterzeichneten Abkommen über die Ausfuhr von Millionen Tonnen Getreide aus der Ukraine, sagte der Sprecher des Außenministeriums in Kiew, Oleh Nikolenko. Mit seinen Raketen „spuckt“ der russische Präsident Wladimir Putin UN-Generalsekretär António Guterres und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ins Gesicht, so Nikolenko. Die beiden hätten große Anstrengungen unternommen, um das Abkommen zu erreichen.

Die Ukraine rufe die Vereinten Nationen und die Türkei auf, Russland zur Einhaltung des Abkommens zu drängen, sagte Nikolenko. Sollte das Abkommen nicht umgesetzt werden, trage Russland die Verantwortung für die globale Lebensmittelkrise. Rund 20 Millionen Tonnen Getreide will die Ukraine ausführen. Es wäre ein wichtiger Beitrag für die Versorgungssicherheit vieler Länder - besonders auf dem afrikanischen Kontinent.

Bundestagsvizepräsidentin vor Ort: Göring-Eckardt bestürzt über Angriff

Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Grüne) bestätigte den Angriff quasi bei Twitter: „Das ist so furchtbar. Gestern so viel Hoffnung wegen des Abkommens. Heute Angriffe auf #Odesa. Gestern bin ich im #Hafen gewesen, durch die Stadt gelaufen, mit so vielen geredet, einem Hochzeitspaar gratuliert. Hoffe so sehr, es geht allen gut. Was ist die Unterschrift noch wert?“

Jetzt auch lesen: Der klare KURIER-Kommentar: Keine Erhöhung des Regelsatzes? Die FDP spielt mal wieder die Armen gegeneinander aus! >>

Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) kommentierte ebenfalls auf Twitter: „Gestern: Erdogan vermittelt #graindeal mit Putin. Heute: (russische) Raketen auf #Odessa. Wäre gut & wichtig, wenn Getreide übers Schwarze Meer rauskommt. Sehe es aber wie mein (ukrainischer) Amtskollege Mykola Solskyj: Brauchen permanente Alternativ-Route für ukrainisches Getreide.“