Ein Ukrainer steht vor zwei Säcken mit Leichen im Dorf Hrakowe in der Region Charkiw.
Ein Ukrainer steht vor zwei Säcken mit Leichen im Dorf Hrakowe in der Region Charkiw. dpa/ZUMA Press Wire/David Ryder

Es sind Zahlen des puren Horrors! Fast tausend Menschen haben die russischen Besatzer allein in den bereits von ukrainischen Truppen befreiten Teilen der Region Charkiw getötet. Diese Zahl nannte der regionale Polizeichef Wolodymyr Tymoschko auf Facebook. Die Leichen seien exhumiert worden. Zu ihnen zählten auch die Körper von 25 Kindern!

Seit der Befreiung der Umgebung der ostukrainischen Stadt Charkiw aus russischer Besatzung hat die Polizei dort nach eigenen Angaben 25 Folterlager entdeckt. In den Lagern hätten russische Truppen unter anderem Zivilisten unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten und gefoltert, teilte Polizeichef Wolodymyr Tymoschko mit. Die Gefangenen seien teils mit Elektroschocks misshandelt worden, anderen seien die Finger gebrochen worden.

Die Umgebung von Charkiw war monatelang von russischen Truppen besetzt worden. Sie zogen sich erst Anfang September nach einer ukrainischen Gegenoffensive zurück. Die Ukrainer nahmen dabei innerhalb weniger Tage ganze Landstriche ein. Seitdem seien in der den befreiten Orten in der Region 920 Leichen von Zivilisten entdeckt worden, wie Tymoschko weiter mitteilte. Sie seien von russischen Soldaten getötet worden.

Erschreckende Berichte aus den Dörfern der Region Charkiw

Journalisten des ukrainischen Nachrichtensenders Suspilne Donbas besuchten im Dezember das Dorf Studenok, das von den Russen fast vollständig zerstört wurde. Die Reporter begleiteten die Bewohnerin Maria Korma, die nach sechs Monaten in das Dorf zurückkehrte. „Die Besatzer haben uns von allem ‚befreit‘. Sie haben uns aus dem Haus vertrieben, uns den Hof weggenommen“, erzählt sie. Viele Gebäude seien zerstört.

Aus Angst vor den Besatzern hätten die Bewohner, die zum Großteil von der Landwirtschaft leben, alle Kühe auf die Felder gelassen. Nur ein Tier habe die Besatzung überlebt. Von einst 1600 Bewohner seien bisher nur 360 zurückgekehrt. In der Region Charkiw selbst sind noch rund 20 Ortschaften weiterhin von Russland besetzt.

Auto fuhr auf Panzermine – Mann stirbt

Zudem sterben in den befreiten Gebieten weiterhin Menschen, vor allem durch von den Russen gelegte Minen. So fuhr vergangene Woche ein Ehepaar auf dem Weg mit ihrem Auto auf eine Panzermine. Das Fahrzeug explodierte, wie die Generalstaatsanwaltschaft der Region Charkiw berichtete. Der Ehemann starb, die Frau wurde ins Krankenhaus gebracht. 

Russische Streitkräfte haben nach bisherigen Ermittlungen der ukrainischen Behörden auch in anderen besetzten Gebieten Kriegsverbrechen begangen. Nach dem Abzug russischer Einheiten aus dem Kiewer Vorort Butscha wurden dort die Leichen von mehr als 400 Menschen entdeckt. Die meisten von ihnen waren eines gewaltsamen Todes gestorben. Die Ermittlungen dauern weiter an.