Nach einem Raketenangriff steht ein Gebäude der Universität Charkiw in Flammen. dpa/Emergency Service Of Ukraine/PA Media

In der Nacht heulten Luftalarmsirenen, Zehntausende Kiewer suchten in Kellern oder U-Bahnhöfen Schutz. Eine Woche nach der Invasion in die Ukraine verstärkt Russland die Luftangriffe. Die Hauptstadt wird immer wieder von schweren Detonationen erschüttert, eine auch in der Nähe des Bahnhofs, wo Flüchtlinge versuchen, die Stadt zu verlassen.

Mit der 300.000-Einwohner-Stadt Cherson im Süden des Landes hat Russland die erste ukrainische Großstadt eingenommen, das bestätigten die Behörden vor Ort.

Menschen suchen in der Kiewer U-Bahn Schutz vor den Raketenangriffen. dpa/Efrem Lukatsky

Die südukrainische Hafenstadt Mariupol mit rund 440.000 Einwohnern ist nach Angaben örtlicher Behörden nach Luftangriffen ohne Wasser, Heizung und Strom. Die Stadtwerke wollen versuchen, die kritische Infrastruktur wiederherzustellen, sagte Bürgermeister Wadym Bojtschenko. Mariupol liegt nahe der sogenannten Kontaktlinie zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischer Armee im Verwaltungsbezirk Donezk und hat strategisch große Bedeutung. Im ostukrainischen Charkiw sind bei Luftangriffen laut ukrainischen Angaben acht Menschen getötet worden, als ein mehrstöckiges Wohnhaus getroffen wurde.

Selenskyj gibt sich weiter kämpferisch

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gibt sich im Angesicht der russischen Invasion weiter kämpferisch. „Sie werden hier keinen Frieden haben, sie werden hier kein Essen haben, sie werden hier keine ruhige Minute haben“, sagte er in einer Videobotschaft an die Invasoren aus Moskau. Besetzer würden von den Ukrainern nur eines bekommen: „Eine solch heftige Gegenwehr, dass sie sich für immer daran erinnern, dass wir das Unsere nicht hergeben.“ Selenskyj sprach von fast 9000 getöteten Russen. Täglich würden russische Soldaten gefangen genommen.

Russische Militärs haben die Luftangriffe auf ukrainische Großstädte verstärkt. dpa-infografik

Ukraine fordert Korridore zur Versorgung der Bevölkerung

Die humanitäre Lage verschlechtert sich stündlich. Die Ukraine fordert deshalb Korridore, durch die die Menschen mit Hilfsgütern, Lebensmitteln und Medikamenten versorgt und Kinder in Sicherheit gebracht werden können.

Zum zweiten Mal seit Kriegsbeginn wollen Unterhändler Russlands und der Ukraine zu offiziellen Gesprächen über eine Waffenruhe zusammenkommen. Der Leiter der russischen Delegation, Wladimir Medinski, sagte einer Meldung der Agentur Interfax zufolge, die Ukrainer befänden sich auf der Anreise. Als Ort der Gespräche hätten sich beide Seiten auf die Region Brest im Westen von Belarus geeinigt.

Deutschland schickt mehr Waffen

Deutschland schickt derweil mehr Waffen ins Kriegsgebiet. Das Wirtschaftsministerium genehmigte die Abgabe von 2700 Stück Flugabwehrraketen vom Typ Strela aus ehemaligen NVA-Beständen. Am Mittwoch wurden bereits 1000 Panzerabwehrwaffen sowie 500 Boden-Luft-Raketen vom Typ Stinger aus Bundeswehrbeständen an die Ukraine übergeben.

Ärzte versorgen in Mariupol Verletzte, die Hafenstadt wurde von schweren Angriffen getroffen. AP/Evgeniy Maloletka

Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) hat offizielle Ermittlungen zu Kriegsverbrechen in der von Russland angegriffenen Ukraine eingeleitet. Dabei wird auch der Einsatz von Streumunition geprüft. Bilder aus ukrainischen Städten zeigen Experten zufolge, dass diese Art Munition eingesetzt wurde. Deren Nutzung gegen dicht besiedelte Wohngebiete ohne militärisches Ziel gilt als Kriegsverbrechen.