Alina Lipp IMAGO/SNA, YouTube

Es gibt nur wenige Journalistinnen oder Journalisten, die im Ukraine-Krieg von der russischen Seite der Frontlinie berichten. Schon gar nicht auf Deutsch. So fällt einem Alina Lipp sehr schnell auf. In ihren Videos erklärt sie zum Beispiel aus Donezk ihre Sicht auf die Lage. Dabei offenbart sie ein erstaunliches Verhältnis zur Wahrheit.

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Alina Lipp liefert den Russen außerdem vermeintliche Einblicke darüber, wie ihre Landsleute in Deutschland misshandelt werden. Ja, sie haben richtig gelesen. Dass niemand sonst davon weiß und dass sie gerade gar nicht in Deutschland ist, das stört sie alles nicht. Die kremltreuen Zuschauer offenbar auch nicht.

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Bis zur russlandhörigen Kriegsreporterin in der Ukraine war es ein langer Weg für Alina Lipp. Als Kommunalpolitikerin für die Grünen saß sie im Umweltausschuss in Hannover, als sie 2016 für ein Forschungsprojekt an der Zweigstelle der Moskauer Lomonossov-Universität auf die Krim kam. Damals muss die Wandlung geschehen sein. Wie sie ausgelöst wurde, weiß wohl nur Alina Lipp selber.

Dem KURIER teilte sie mit, dass ihre Haltung sich schon 2014 entwickelt habe. Damals habe sie „die fehlerhafte deutsche Berichterstattung zu den Maidanereignissen“ wahrgenommen, schreibt sie - und verweist auf ihren Anspruch, Realität und Lügen auseinanderhalten zu können („Ich habe Verwandte auf der Krim und kenne die Wahrheit“).

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Die Grünen waren ihr zu „anti-russisch“

Die heute 28-Jährige kehrte nach Deutschland zurück und schloss ihr Studium ab. Nur bei den Grünen tauchte sie nicht mehr auf. „Ich hatte festgestellt, wie anti-russisch die Grünen eingestellt sind, und es nicht möglich ist, sie zu überzeugen“, erzählt sie einst in einem Video. Sie ist kein Mitglied mehr, heißt es aus der Partei.

Gegen Ungerechtigkeit sei sie, sagt Lipp über sich selbst. Sie wolle „die andere Seite“ zeigen. „Unabhängig“ nennt sie sich ständig. Und als Krönung bezeichnet sie sich dann als „Friedensjournalistin“. Den Begriff „offizielle Kriegskorrespondentin“ habe sie nur genutzt, weil sie sich gefreut habe, nicht mehr nur als Privatperson dort zu sein, sagte sie T-Online. Natürlich, „Krieg“ geht ja gar nicht. So klingt er schließlich nicht, der Kreml-Kurs.

Sie habe Wladimir Putin nie getroffen, teilte Alina Lipp dem KURIER mit. Trotzdem ist er für sie ein „Befreier“. Und längst ist die 28-Jährige für den Despoten im Kreml zu einer wichtigen Propaganda-Tröte im Ukraine-Krieg geworden.

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Ein zerstörtes Wohnhaus in Donezk. IMAGO/Nikolai Trishin

Ukraine nennt sie „Staatsfeind“

Im Internet kann man lernen, dass Alina Lipp das Kind einer deutsch-russischen Liebe ist. Ihre deutsche Mutter und ihr russischer Vater lernten sich bei einer Ostsee-Regatta kennen. Gorbatschows Perestroika hatte die Begegnung wohl überhaupt erst möglich gemacht.

Der Vater ist inzwischen auf die Krim ausgewandert. Alina Lipp sitzt im Vorstand der deutschen „Freunde der Krim“. So wurde sie in der Ukraine zum offiziellen „Staatsfeind“.

Der Krieg, den sie in ihren Videos zeigt, ist nur schlimm, wenn es um angebliche Opfer der Ukraine geht. Gut und Böse sind klar verteilt bei Alina Lipp. Russische Kriegsverbrechen gibt es nicht. Die Bewohner aus Dörfern, die vom russischen Militär erobert wurden, sind sämtlich froh und dankbar für die „Befreiung“. Alles wird gut. Nur in Deutschland nicht...

Alina Lipp im russischen Fernsehen. YouTube

„Straßenschlachten“ in Deutschland

Im russischen Fernsehen klärte sie das staunende Publikum jetzt nämlich auch darüber auf, wie es derzeit angeblich in Deutschland zugehe. „Straßenschlachten“ würde es hier geben, berichtet die so genannte Journalistin. Russlanddeutsche hätten überall unter Gewalt zu leiden. Ukrainische Flüchtlinge dagegen kämen alle mit fetten Autos und seien sich zu fein, in den Flüchtlingsunterkünften zu schlafen und Kleiderspenden anzunehmen.

„Straßenschlacht“ sei wohl „eine übertriebene Übersetzung“, räumte Alina Lipp jetzt gegenüber dem KURIER ein. Aber das hätten ihr Freunde aus Deutschland doch wirklich erzählt. Dass es darüber nicht einen seriösen Bericht gibt, keine Augenzeugen, keine Fotos, keine Anzeigen bei der Polizei... egal. Man kann das ja ruhig mal im Fernsehen behaupten. Wenn es denn in das eigene ideologische Bild passt.

Alina Lipp wird damit leben müssen, dass andere ihre Geschichten bezeichnen als das, was sie sind: Blödsinn und Lügen!

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Immer wieder erwähnt Alina Lipp, dass es in Deutschland 6 Millionen russischsprechende Menschen gebe. Je zahlreicher eine russische Minderheit, desto größer deren Schutzbedürftigkeit durch Moskau. Diese Denke steht wohl dahinter. Die Wahrheit ist übrigens: Russische Muttersprachler leben nach seriösen Angaben ca. 3 Millionen in Deutschland, bei 6 Millionen sind dann vermutlich alle mitgezählt, die auch nur eine Unterrichtsstunde Russisch als Fremdsprache belegt haben.

Querdenker-Szene liebt den Schwachsinn

„Kann es ein Fehler sein, ein Land zu befreien, in dem Tausende Menschen getötet worden sind?“, fragt Alina Lipp nach Beginn von Russlands Überfall auf die Ukraine. Putin rette Leben, und er schieße nicht auf Zivilisten. Das ist inzwischen zwar hundertfach durch Augenzeugen widerlegt. Nach Lipps Ansicht sind dann aber auf jeden Fall die ukrainischen „Nazi-Truppen“ schuld, weil die sich angeblich hinter Zivilisten verschanzten.

Auch dass Putin Menschen im eigenen Land einsperren lässt, schon wenn sie nur das Wort „Krieg“ für das Morden in der Ukraine in den Mund nehmen, erwähnt Alina Lipp nicht. Gerne nimmt sie aber die Meinungsfreiheit des Westens in Anspruch. Und zetert sofort, wenn sie Widerspruch bekommt.

Man muss nur fünf Minuten die Augen öffnen, um den offensichtlichen Schwachsinn von Lipps Behauptungen zu entlarven. Aber einige wollen das eben gar nicht. Sympathien hat Alina Lipp in Deutschland übrigens gar nicht so sehr bei den Deutschrussen. Vielmehr sind es die so genannten Querdenker, die sich mit Begeisterung auf ihre „Berichte“ stürzen.

Alina Lipp macht Selfies im Umfeld radikaler Impfgegner und Corona-Leugner. Sie nimmt an entsprechenden Demos und an Konferenzen teil, die den „Geopolitischen Krieg des Westens gegen Russland“ zum Thema machen. Dass dabei die Nato als „Terrororganisation“ gegeißelt wird, während Putin die Heldenverehrung gilt, wundert dann auch keinen mehr...