Russische Soldaten am Wasserkraftwerk Kachowka. Der Staudamm in Nowa Kachowka gehört zu den größten seiner Art in der Ukraine. Eine Sprengung würde eine massive Flut verursachen.
Russische Soldaten am Wasserkraftwerk Kachowka. Der Staudamm in Nowa Kachowka gehört zu den größten seiner Art in der Ukraine. Eine Sprengung würde eine massive Flut verursachen. Imago/SNA

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnt vor einer gigantischen Katastrophe in der Region Cherson. Laut Geheimdienstinformationen habe Russland den Staudamm in Nowa Kachowka mit Sprengstoffladungen versehen und plane, ihn zu sprengen.

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In einer Ansprache vor dem Europäischen Rat sagte Selenskyj: „Wenn die russischen Terroristen diesen Damm sprengen, werden mehr als 80 Ortschaften, einschließlich Cherson, im Gebiet einer Flutwelle liegen.“ Der ukrainische Präsident warnte, dass mehrere hunderttausend Menschen betroffen sein könnten.

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Sprengung des Staudamms würde massive Zerstörungen verursachen

Zu den Überflutungen in den Ortschaften flussabwärts des Staudamms könnten noch weitere Zerstörungen kommen. Der Stausee von Kachowka ist einer der größten in der Ukraine. Seine 18 Millionen Kubikmeter Wasser würden ganze Landstriche unter Wasser setzen und Felder zerstören.

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Zudem droht dadurch die Wasserversorgung in der ganzen Südukraine zusammenzubrechen. Russland hatte in den letzten Tagen bereits schwere Luftschläge gegen Elektrizitäts- und Wärmekraftwerke in der Ukraine durchgeführt. Die Russen haben laut ukrainischen Angaben seit Oktober rund 30 Prozent der ukrainischen Energieversorgung zerstört.

Selenskyj warnte in seiner Ansprache zudem, dass aus dem Stausee Kachowka die Kühlwasserversorgung des Atomkraftwerks Saporischschja erfolge. Bei einem Ausfall der Kühlwasserversorgung droht nicht nur der Ausfall des Kraftwerks, sondern ein Zusammenbruch der Reaktorkühlung und damit eine Kernschmelze in den sechs Atomreaktoren. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) warnt seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine am 24. Februar und der Besetzung des Kraftwerks immer wieder vor einem GAU in der riesigen Anlage. 

Blick auf das gigantische Bauwerk in Nowa Kachowka. Eine Sprengung würde enorme Zerstörungen verursachen und könnte das Atomkraftwerk in Saporischschja gefährden.
Blick auf das gigantische Bauwerk in Nowa Kachowka. Eine Sprengung würde enorme Zerstörungen verursachen und könnte das Atomkraftwerk in Saporischschja gefährden. Imago/SNA

Selenskyj berichtete, dass die Russen das Territorium des Wasserkraftwerks und des Staudamms am Fluss Dnipro in Nowa Kachowka bereits vermint hätten. Die russischen Truppen planten demnach eine Sprengung unter falscher Flagge, um es den Ukrainern in die Schuhe zu schieben. „Russland tut dies, um eine weitere Operation unter falscher Flagge zu organisieren – um einen Terroranschlag durchzuführen und die Ukraine dafür verantwortlich zu machen“, so der ukrainische Präsident. „Aber Sie und ich wissen, was die Wahrheit ist.“

Auch Experten vermuten Operation Russlands unter falscher Flagge

Er gab an, dass die Welt wisse, wer das Territorium dort kontrolliere und appellierte an den Europäischen Rat zu helfen, die Katastrophe zu verhindern. In der Tat halten auch Sicherheitsexperten, wie das Institute for the Study of War einen Anschlag unter falscher Flagge für möglich. „Das russische Militär könnte glauben, dass eine Zerstörung des Damms den Rückzug vom rechten Ufer des Flusses Dnipro decken und ukrainische Vorstöße über den Fluss verhindern oder verzögern könnte“, heißt es in einer Analyse vom Donnerstag.

Russland hatte in den letzten Tagen begonnen, Zivilisten aus der Region Cherson auf das südliche Dnipro-Ufer und auf die Krim zu deportieren und dies als „Evakuierung“ bezeichnet. Auch militärisches Gerät hätten die Russen abgezogen. Militärexperten rechnen damit, dass die Ukraine noch vor dem Winter die Gebiete nördlich und westlich des Dnipro zurückerobern könnte. Der Berater im Präsidentenbüro, Michailo Podoljak, meint, dass eine Sprengung des Staudamms die Rückeroberung hingegen erschweren würde. 

Podoljak schrieb, dass dies „ein echter Surowikin-Plan“ sei. General Sergej Surowikin ist der neue Oberkommandierende der russischen Streitkräfte in der Ukraine. Er gilt als brutaler Feldherr, der schon in den russischen Kriegen in Tschetschenien und Syrien mit aller Härte vorging. Die Organisation Human Rights Watch machte ihn schon 2020 für zahlreiche Menschenrechtsverletzungen in Syrien verantwortlich.

In seinem ersten Fernsehinterview als Oberkommandierender schrieb Surowikin daher auch seinerseits der Ukraine zu, einen Anschlag auf den Staudamm in Nowa Kachowka zu planen. In der Ukraine weiß man mittlerweile, dass das nichts Gutes bedeutet.