In Cherson wurden Folterzellen der russischen Besatzer entdeckt.
In Cherson wurden Folterzellen der russischen Besatzer entdeckt. imago/Nina Liashonok

Schwere Vorwürfe der Ukraine an den Aggressor Russland. Minderjährige sollen in der Süd- und Ostukraine vom Militär gefoltert worden sein. Das sagte der Ombudsmann des ukrainischen Parlaments, Dmytro Lubinez: „Im (Gebiet) Cherson haben wir zehn Folterkammern entdeckt, darunter vier in der Stadt selbst.“ In einer der Folterkammern habe es einen getrennten Raum gegeben, in dem Minderjährige festgehalten worden seien. Die Besatzer hätten sie „Kinderzelle“ genannt. Im ukrainischen Sprachgebrauch werden alle Minderjährigen unter 18 Jahren als „Kinder“ bezeichnet.

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Zum Schlafen habe es lediglich einige Isomatten auf dem Boden des feuchten Raums gegeben. „Wir haben nicht nur Folter dokumentiert. Es ist dokumentiert, dass den Kindern jeden zweiten Tag Wasser gegeben wurde, sie bekamen praktisch kein Essen“, sagte Lubinez. „Sie haben psychologischen Druck angewandt: Sie sagten, dass die Eltern sie aufgegeben hätten, dass sie nicht mehr zurückkämen.“

Russland verschleppt mehrere Tausend ukrainische Kinder

Den Minderjährigen sei vorgeworfen worden, die ukrainische Armee zu unterstützen. Unter den Festgehaltenen sei ein 14-Jähriger gewesen, der zerstörte russische Technik fotografiert habe. Derartige Vorfälle habe es auch in Balaklija im ostukrainischen Gebiet Charkiw gegeben.

„Ich dachte, dass der Tiefpunkt nach Butscha und Irpin nicht übertroffen werden könnte. Aber wir haben wirklich den Tiefpunkt in Cherson erreicht“, so Lubinez.

Mit Strichen wurden in diesem Keller in Cherson die Tage gezählt. Laut eines Staatsanwalts für Kriegsverbrechen soll das Gebäude von russischen Streitkräften als Folterstätte genutzt worden sein.
Mit Strichen wurden in diesem Keller in Cherson die Tage gezählt. Laut eines Staatsanwalts für Kriegsverbrechen soll das Gebäude von russischen Streitkräften als Folterstätte genutzt worden sein. dpa/Evgeniy Maloletka

Dazu warf er Moskau erneut die Deportation von Kindern vor. „Wir haben mehr als 12.000 Kinder festgestellt, von denen etwa 8600 zwangsweise auf das Territorium der Russischen Föderation deportiert wurden“, sagte der Ombudsmann. Das seien lediglich die verifizierten Fälle. Die ukrainischen Behörden hätten dabei noch keine Bestätigung für Adoptionen dieser Kinder in Russland.