Ein durch einen Raketenangriff zerstörter Wohnblock in Vinograda in der Ukraine. dpa/Jussi Nukari/Lehtikuva

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine dauert an - tapfer verteidigen die Menschen in der Ukraine ihr Land gegen die Angriffe der Russen. Nach Wochen fragen sich aber viele Menschen: Was würde passieren, wenn die Verteidigung bricht, wenn die Ukraine angesichts der russischen Gräueltaten kapituliert? Eine Russland-Expertin zeichnet jetzt ein erschreckendes Bild. Susanne Schattenberg erklärt, warum die Verteidigung der Ukraine alternativlos ist - und was passieren würde, wenn sie endet.

Russland-Expertin: Verteidigung der Ukraine ist alternativlos

Die Russland-Expertin hält Rufe nach einer friedlichen Beendigung des Ukraine-Kriegs für weltfremd. „Wenn das ukrainische Volk nicht untergehen will, muss es sich mit aller Kraft militärisch verteidigen“, sagte die Direktorin der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen dem Evangelischen Pressedienst (epd). Den Einwand, dass Waffenlieferungen das Blutvergießen unnötig verlängerten, bezeichnete Schattenberg als naiv und zynisch.

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Sich zu ergeben, sei für die Ukraine keine Option, weil Russland die Vernichtung des Landes wolle. „Die Kapitulation würde den Untergang des ukrainischen Staates, aber auch seiner Nation mit ihrer Sprache und Kultur bedeuten“, warnte die Historikerin. „Der russische Präsident Wladimir Putin hat sehr deutlich erklärt, dass er alles Ukrainische für eine Abart des Russischen hält.“

Blick auf einen durch Beschuss beschädigten Wohnblock in Kramatorsk. Andriy Andriyenko/AP/dpa

Außerdem sei nicht zu erwarten, dass die Menschen in einer russisch besetzten Ukraine ruhig leben könnten. Schon in den sogenannten Volksrepubliken in der Ostukraine habe Russland ein Terrorregime installiert, unter dem Menschen willkürlich verhaftet, gefoltert und ermordet würden. „Es gibt nichts, auch kein Völkerrecht, dass Putin daran hindern könnte, in der gesamten Ukraine ebenso zu verfahren“, sagte die Professorin.

Expertin: Frieden ohne Waffen kommt nicht mehr infrage

In den 1980er Jahren beteiligte sich Schattenberg an den Friedensmärschen, wie sie betonte. „In der Ukraine kommt ‚Frieden schaffen ohne Waffen‘ aber leider nicht mehr infrage.“ Die Vorstellung, die Ukrainer könnten Putin beschämen, indem sie ihm mit gestreckten Waffen gegenübertreten, sei abwegig. „Solche Gesten des gewaltlosen Widerstands lassen Putin kalt. Er würde sich kaputt lachen.“

Deshalb befürwortet die Historikerin deutsche Waffenlieferungen in das angegriffene Land. Gleichwohl sei es richtig, dass die Nato sich nicht in den Konflikt hineinziehen lasse. Immerhin gehe von Russland eine reale atomare Bedrohung aus. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass Putin taktische atomare Waffen einsetze, auch wenn dies derzeit noch unwahrscheinlich sei. „Putin hat immer wieder rote Linien überschritten und neue Eskalationsstufen gezündet“, warnte Schattenberg.

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