IAEA-Experten trafen am 2. September am umkämpften Atomkraftwerk Saporischschja ein. Einige blieben am Ort.
IAEA-Experten trafen am 2. September am umkämpften Atomkraftwerk Saporischschja ein. Einige blieben am Ort. dpa/IAEA/D. Candano Laris

Die Kontrolleure der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA konnten es aus ihren Fenstern sehen: Das ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja wurde wieder beschossen.  Die in Wien ansässige Behörde meldete daraufhin, dass es Dutzende von Einschlägen auf und bei der größten europäischen Atomanlage gegeben habe. Die Vorfälle am Samstag und Sonntag hätten eine Periode relativer Ruhe in der von Russland besetzten Anlage abrupt beendet, ließ Generaldirektor Rafael Grossi mitteilen.

Schäden an Gebäuden und Anlagen im AKW Saporischschja

IAEA-Experten, die nach der ersten Inspektion des AKW Anfang September am Ort geblieben waren, berichteten, das Management der Anlage habe Schäden an einigen Gebäuden, Systemen und Geräten gemeldet. Die Schäden beeinträchtigten aber bislang nicht die nukleare Sicherheit. Es habe keine Verletzten gegeben. 

Russland und die Ukraine beschuldigten sich gegenseitig, das Kernkraftwerk seit Samstag massiv mit Artillerie zu beschießen. Allein am Sonntagmorgen sei mit zwölf großkalibrigen Geschossen auf die Anlage gezielt worden, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow.

Russen: Strahlung  in der Nähe des AKW „normal“

Elf Geschosse seien zwischen den Reaktorblöcken eingeschlagen, eines habe das Dach einer Sonderstation getroffen. Die Strahlung in der Umgebung des Kernkraftwerks sei normal, sagte auch Konaschenkow.

Der ukrainische Kraftwerkbetreiber Enerhoatom sprach indes von mindestens zwölf Angriffen von russischer Seite, durch die mehrere Anlagen des Atomkraftwerks beschädigt worden seien. Der Umfang der Schäden und Zerstörungen werde noch ermittelt, hieß es in einer bei Telegram veröffentlichten Mitteilung von Enerhoatom.

„Wer auch immer dahintersteckt: Es muss umgehend aufhören“, verlangte IAEA-Chef Grossi. „Wie ich schon oft gesagt habe: Ihr spielt mit dem Feuer!“ Grossi appellierte erneut an beide Seiten, eine Sicherheitszone um die Anlage einzurichten, in denen von Angriffen und Kämpfen abgesehen wird. Intensive Verhandlungen darüber mit beiden Seiten hätten leider bislang zu keiner Einigung geführt.

Russen kommandieren im Atomkraftwerk Saporischschja

Russland kontrolliert das größte Atomkraftwerk Europas faktisch seit Anfang März, als Moskaus Truppen im Zuge des Angriffskriegs große Teile der Südukraine besetzten. Das AKW ist in den vergangenen Monaten bei schweren Kämpfen mehrfach unter Beschuss geraten. Die Ukraine und Russland geben sich gegenseitig die Schuld.

Reaktoren wurden wiederholt heruntergefahren, weil die Stromversorgung des AKW selber unterbrochen war. Dieselgeneratoren kamen zum Einsatz, um die Brennelemente  kühlen zu können.