Cherson: Ein ukrainischer Soldat überprüft die von russischen Soldaten ausgehobenen Schützengräben. 
Cherson: Ein ukrainischer Soldat überprüft die von russischen Soldaten ausgehobenen Schützengräben.  Leo Correa/AP/dpa

Die Stadt Cherson war eine der ersten, die im März in russische Hand gelangte. Jetzt setzt die  ukrainische Armee  zur Befreiung des besetzten Gebietes Cherson im Süden des Landes an. Nach russischen Angaben haben die Ukrainer Zehntausende Soldaten vor der Stadt zusammengezogen. Bisher sei die Lage „stabil“, eine mögliche Offensive habe noch nicht begonnen, sagte der Vizechef der Besatzungsverwaltung, Kirill Stremoussow, am Mittwoch der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge. Man erwarte aber einen Angriff. Von der Ukraine gab es zunächst keine Angaben.

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Russische Soldaten bei Cherson abgeschnitten 

Cherson fiel im März - also kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen das Nachbarland - als einzige ukrainische Gebietshauptstadt in russische Hand. Präsident Wladimir Putin verkündete im Oktober den Anschluss des Gebiets an Russland. International wird die völkerrechtswidrige Annexion nicht anerkannt. Die russischen Soldaten auf dem rechten Dnipro-Ufer gelten als weitgehend abgeschnitten.

Cherson liegt am Fluss Dnipro. Russische Soldaten sind in der Region eingeschlossen. 
Cherson liegt am Fluss Dnipro. Russische Soldaten sind in der Region eingeschlossen.  dpa

Der Chef der russischen Besatzungsverwaltung von Cherson, Wladimir Saldo, kündigte die Evakuierung von Zivilisten vom rechten Dnipro-Ufer an. Saldo sprach von „etwa 50 000 bis 60 000“ Menschen, die auf das linke Ufer oder nach Russland gebracht werden sollten. Dies werde etwa sechs Tage in Anspruch nehmen. Es stünden schon Boote bereit, sagte Saldo. Der Agentur Tass zufolge wurden die Bewohner des Gebiets bereits per SMS von den Plänen informiert. Am Mittwochvormittag erklärten die russischen Besatzer, dass die Aussiedlung von Bewohnern begonnen habe. 

Russen schließen „schwierige Entscheidungen“ nicht aus

Der neue Oberbefehlshaber der russischen Truppen in der Ukraine, Sergej Surowikin, hatte die Lage in dem Frontabschnitt am Vorabend als schwierig bezeichnet. Die Ukraine beschieße Wohnhäuser und die Infrastruktur von Cherson. Durch Artillerietreffer seien die Übergänge über den Fluss Dnipro unpassierbar gemacht. Das erschwere die Versorgung. „Wir werden bedacht und rechtzeitig handeln und schließen auch schwierige Entscheidungen nicht aus“, sagte Surowikin. Dies wurde als Hinweis auf einen möglichen Rückzug verstanden.