Der russische Finanzminister Anton Siluanow Kremlin.ru

Wegen der westlichen Sanktionen kann Russland eigenen Angaben zufolge Finanzreserven im Wert von rund 300 Milliarden US-Dollar derzeit nicht nutzen. „Das ist etwa die Hälfte der Reserven, die wir hatten“, sagte Finanzminister Anton Siluanow am Sonntag dem staatlichen russischen TV-Sender Rossija-1. „Wir verfügen über eine Gesamtmenge von rund 640 Milliarden Dollar, ungefähr 300 Milliarden dieser Reserven befinden sich jetzt in einem Zustand, in dem wir sie nicht nutzen können.“

Wegen der von den USA, der EU und anderen Staaten eingefrorenen Mittel habe Russland Probleme, einige Verpflichtungen einzuhalten und manche Schulden zu begleichen.

Russland verkloppt sein Gold

Vor zwei Tagen hatte das russische Parlament ein Gesetz Wladimir Putins passieren lassen, das Russen erlaubt, mit Devisen Gold und andere Edelmetalle (Silber, Palladium, Platin) zu kaufen und außerdem nicht die 20-prozentige Mehrwertsteuer begleichen zu müssen. Das wird als Versuch des russischen Staats gewertet, an Devisen heranzukommen.

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Auch für Rubel kann man Edelmetall erwerben. Den Bürgern wird das Angebot schmackhaft gemacht, dass sie damit ihre Ersparnisse schützen können. Der Wert des Rubel war zuletzt stark gefallen, zum Wochenende hin wieder angestiegen.

Russland will an die EU und die USA mit fast wertlosem Rubel bezahlen

Siluanow verwies darauf, dass ein Teil der Gold- und Devisenreserven in chinesischen Yuan gehalten werde und dass der Westen Druck auf Peking ausübe, den Handel mit Moskau zu beschränken. Der Minister zeigte sich aber zuversichtlich, dass sich die Beziehungen zu China weiter verbessern würden. Russland hatte angekündigt, seine vertraglichen Verpflichtungen an „feindlich gestimmte Staaten“ wie die USA und die EU-Mitglieder nur noch in Rubel zu begleichen. Die russische Kriegskasse ist dank Milliardeneinnahmen aus den Verkäufen von Gas, Öl und Kohle eigentlich gut gefüllt.

Siluanow kündigte an, der Staat werde vom Westen sanktionierte Banken unterstützten. Zudem sei genug Geld vorhanden, um die Produktion lebensnotwendiger Güter sicherzustellen, sagte der Minister. „Die Zentralbank wird dem Finanzsystem die notwendige Liquidität zur Verfügung stellen.“ Ein besonderes Augenmerk gelte der Entwicklung der Lebensmittelpreise.