Ein anscheinend zerschossenes Handy und eine Essensration, von Russen bei Butscha zurückgelassen. AP/Rodrigo Abd

Nach dem fluchtähnlichen Rückzug russischer Truppen aus dem Norden der Ukraine in den russischen Vasallenstaat Belarus haben Ukrainer ihre geraubte und gestohlene Elektronik dort ausgemacht. Das vermeldete der oppositionelle belarussische Exil-Journalist Franzischak Wjatschorka auf Twitter. Die Wiener Zeitung Der Standard griff den Tweet auf und berichtet, dass die Ukrainer deshalb die Möglichkeit haben festzustellen, wo sich russische Soldaten aufhalten.

Wjatschorka verschickte einen Screenshot von Apples „Wo ist?“-App. Damit können etwa AirPods gefunden werden, die man verlegt hat – oder die von russischen Soldaten gestohlen wurden. Im ausgewiesenen Beispiel finden sich die Ohrhörer bei der Stadt Gomel in Belarus.

Der Standard nimmt Bezug auf einen Historiker, der festgestellt hatte, dass Russland und Belarus immer noch das Roaming für ukrainische Geräte zulassen.

Das Portal „Politico“ hat das damit begründet, dass der russische Geheimdienst so weiterhin ukrainische Telefonate abhören  und zusätzlich die Position der Mobiltelefone und anderer Geräte feststellen kann. Zusätzlich nutzt die russische Armee ukrainische Netzwerke, um untereinander kommunizieren zu können – die eigenen Funknetze hatten sich schon bei Beginn des Kriegs als unzulänglich erwiesen.

Jedes eingeschaltete Gerät gibt dem jeweiligen Feind also die Möglichkeit, seine Ziele zu lokalisieren und zu beschießen. Mehrere hochrangige russische Offiziere sollen so den Tod gefunden haben.

Handys oder AirPods werden zur Zielmarke

Sky News hatte vor kurzem berichtet, wie die Ortung funktioniert, dass Drohnen oder Lastwagen würden mit Geräten ausgestattet, die Telefonmasten simulieren. Diese werden in Kriegsgebiete geschickt, um die Signale von Telefonen in der Nähe aufzugreifen. Die Simulatoren fordern die Smartphones auf, die Signalstärke und Richtung des Signals anzugeben – daraus kann eine ungefähre Standortbestimmung abgeleitet und für gezielte Angriffe genutzt werden.

Das hat der Sender in einem Twitter-Thread verdeutlicht:

Laut mehreren Berichten nutzen diese Technologie sowohl die russische als auch die ukrainische Armee. Ein Forscher der Universität Kopenhagen nannte diese Signale die „digitale Version einer unvorsichtig angezündeten Zigarette in der Nacht“: Raucher wurden häufig Opfer von Scharfschützen, weil die glimmende Zigarette weit zu sehen ist. Gestohlene AirPods könnten nun ebenfalls zu solchen „Zigaretten“ werden.