Dieses von Maxar Technologies zur Verfügung gestellte Satellitenbild zeigt eine Nahaufnahme der Nuklearanlagen von Tschernobyl in der Ukraine während der russischen Invasion am Donnerstag, den 10. März 2022. Maxar Technologies via AP/ dpa

Sie sollen in verstrahlter Erde Schützengräben ausgehoben haben und nun zur Behandlung eines akuten Strahlensyndroms nach Belarus gebracht worden sein. Russische Soldaten würden nach Arbeiten in der Nähe des havarierten Atomkraftwerk Tschernobyl mit schweren Symptomen in einer Klinik in Belarus behandelt. Diese Meldung macht gerade auf Twitter die Runde.

Lesen Sie auch: Newsblog zum Ukraine-Krieg: Russen setzen Angriffe im Osten der Ukraine fort +++ Geheimdienste: Putin von Beratern falsch informiert +++ Moskau bestätigt Umgruppierung der Truppen +++>>

Die Meldung über sieben  Busse mit russischen Soldaten aus Tschernobyl, die am belarussischen Zentrum für radiologische Medizin in Homel angekommen sind, bezieht sich auf einen Facebook-Post von Yaroslav Yemelianenko, Mitglied der staatlichen ukrainischen Agentur „Unian“.

Jetzt auch lesen: Deutscher entführt Mann in der Schweiz und wird erschossen: Führt der Fall ins Corona-Leugner-Milieu? >>

Fakt ist: Russische Soldaten verlassen derzeit das Gebiet um Tschernobyl. Der Bürgermeister der Stadt Slawutytsch in der Nähe des Kernkraftwerks, wo auch das Personal für das Kraftwerk für das Atomkraftwerk Tschernobyl lebt, berichtete, russische Truppen hätten „ihre Arbeit dort beendet“. Auch US-Geheimdienste berichten der Nachrichtenagentur AFP über einen Rückzug der russischen Truppen aus dem Gebiet um das havarierte Kraftwerk.

Dass die Soldaten aber mit einem akuten Strahlensyndrom behandelt werden müssen, ist aber sehr  unwahrscheinlich.

Lesen Sie auch: Baumpfleger schlägt Alarm: Große Sorge um Berliner Stadtbäume!>>

Holz aus dem Roten Wald verbrennen: keine gute Idee

Es sei denkbar, dass gesundheitliche Schäden entstehen, wenn Soldaten Holz aus dem verstrahlten Gebiet des sogenannten Roten Waldes verbrannt hätten, schreibt etwa Nuklear-Experte Jeremy Gordon auf Twitter.  Es sei in der Tat eine schlechte Idee, den Rauch einzuatmen oder gar Früchte des Waldes, die jetzt im Winter sowieso rar sein dürfen, zu essen.

Allerdings würde solcher Kontakt mit verstrahltem Material eher die Chance erhöhen, später an Krebs zu erkranken. Für ein akutes Strahlensyndrom aber reicht die Dosis nicht aus.

Verstrahlten russische Soldaten in Tschernobyl: Nonsens

Auch Professor Claire Corkhill hält die Annahme, Soldaten seien schwer verstrahlt worden, für Nonsens. Es sei schlicht nicht genug radioaktives Material und Strahlung nach dreißig Jahren im Roten Wald vorhanden. Die Originalaussage sei außerdem missverständlich interpretiert worden. Der ukrainische Urheber hat in seinem Post die rhetorische Frage gestellt: Habt ihr im Roten Wald Schützengräben gegraben, ihr Idioten?

Der weißrussische Sender, auf den den sich Yaroslav Yemelianenko bezieht, berichtet lediglich über die Ankunft der sieben Busse in Gomel.  Das Zentrum für Strahlenmedizin werden häufiger von russischen Soldaten angefahren. Wahrscheinlich ist, dass Soldaten  lediglich für einen Checkup in das Krankenhaus gebracht worden sind.

Lesen Sie auch: Wladimir Klitschko in Berlin - aus DIESEM Grund ist er in der Hauptstadt>>

Russische Soldaten: ohne Strahlenschutz in Tschernobyls Rotem Wald

Nichtsdestotrotz scheinen russische Soldaten ohne gute Vorbereitung in dem heiklen Gebiet unterwegs gewesen zu sein. Mitarbeiter des Kraftwerks berichteten der Agentur Reuters, die Soldaten seien ohne Strahlenschutzausrüstung um Tschernobyl unterwegs gewesen. Dies bezeichnetet der Mitarbeiter als selbstmörderische Mission. Die Konvois der Russen hätten radioaktiven Staub aufgewirbelt, als sie durch den hochtoxischen Roten Wald fuhren. Der Wald bekam seinen Namen, als sich Dutzende Quadratkilometer Kiefern nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl wegen der absorbierten Strahlung rot färbten und abstarben.

Jetzt auch lesen: Studie belegt: So sehr profitierte die Mineralöl-Industrie vom Krieg in der Ukraine und den Mondpreisen für Benzin und Diesel! >>

Das Gelände des Roten Waldes ist auch heute noch eines der am stärksten kontaminierten Gebiete der Welt. Nicht einmal Mitarbeiter des Kraftwerks dürfen dort hin. Die  Strahlenbelastung im Roten Wald  kann bis zu einem Röntgen pro Stunde betragen, doch sind Werte von zehn Milliröntgen pro Stunde eher die Regel. Mehr als 90 % der Radioaktivität des Roten Waldes ist im Boden konzentriert.

Einer der ukrainischen Mitarbeiter des Kraftwerks sagte auch, dass die russischen Soldaten keine Ahnung gehabt hätten, auf welchem Gelände sie sich befanden, dies hier sei kritische Infrastruktur, hätte die Soldaten lediglich gesagt, kein Wort von der größten Atomkatastrophe, die sich hier abspielte.