Verwüstung nach dem Raketenangriff auf ein Verwaltungsgebäude an einem zentralen Platz von Charkiw. Genaue Opferzahlen sind nicht bekannt. AFP/Sergej Bobok

Der Krieg Putins gegen die Ukraine wird immer mehr zu einem verbrecherischen Blutbad. Die Zahlenangaben schwanken und sind unzuverlässig, aber eines ist klar: Es sterben Kinder und unbewaffnete Zivilisten. Das Video eines Raketeneinschlags in der Großstadt Charkiw macht das Grauen klar.

Kinder- und Jugendärzte in Deutschland haben an ihre Kollegen in Russland appelliert, sich für eine „unverzügliche Einstellung“ des Krieges  einzusetzen. Die  Invasion habe viele Kinder und Jugendliche ihr Zuhause gekostet, es seien Verletzte und auch Tote zu beklagen, hieß es vom Berufsverband BVKJ. „Mit uns verbundene Ärzte in der Ukraine berichten über Todesopfer und Verletzte, über bombardierte Kinderkrankenhäuser und Kitas“, schilderte Verbandspräsident Thomas Fischbach.

Eine blutverschmierte Frau, ein Sanitäter, der versucht, ein bei Beschuss der Stadt Mariupol verwundetes Mädchen wiederzubeleben. Vergebens. AP/Evgeniy Maloletka

Nach Angaben der Vereinten Nationen vom Montag wurden bislang mehr als 400 Zivilisten getötet, darunter viele Kinder. Die Zahlenangaben schwanken je nach Quelle.

„Russland greift immer wieder Kindergärten und Waisenhäuser an. Russland greift Krankenhäuser an. Russland greift mobile medizinische Hilfsbrigaden mit Granatfeuer und Sabotagegruppen an“, sagte der ukrainische UN-Botschafter Serhij Kyslyzja  im UN-Sicherheitsrat in New York. Dies seien nicht die Akte eines Staates mit Sicherheitsbedenken. „Dies sind die Akte eines Staates, der entschlossen ist, Zivilisten zu töten. Es gibt keine Debatte: Das sind Kriegsverbrechen.“

Russischer Verteidigungsminister nennt Krieg „Spezial-Militäroperation“

Russland setzt immer mehr Truppen speziell in Richtung Kiew in Bewegung und laviert um das Wort Krieg herum: „Die Gruppierung der Streitkräfte der Russischen Föderation führt weiterhin eine Spezial-Militäroperation durch, bis die gesetzten Ziele erreicht sind“, sagte Verteidigungsminister Sergej Schoigu. Das Wichtigste sei, Russland „vor der militärischen Bedrohung durch westliche Länder zu schützen, die versuchen, das ukrainische Volk im Kampf gegen unser Land einzusetzen.“

Schoigu warf der Ukraine vor, Raketensysteme, Kanonen und Mörser „in den Höfen von Wohngebäuden, in der Nähe von Schulen und Kindergärten“ aufgestellt zu haben. „Während militärischer Zusammenstöße zögert die ukrainische Seite nicht, Zivilisten als menschliches Schutzschild zu missbrauchen.“

„Kein Krieg!“Russen zogen das Transparent über den Newski-Prospekt, die Prachtstraße St. Petersburgs. AP/Dmitri Lovetsky

Der Internationale Strafgerichtshof will offizielle Ermittlungen zu Kriegsverbrechen in der Ukraine einleiten. Das kündigte Chefankläger Karim Khan in Den Haag an.  Die Ermittlungen bezögen sich  zunächst auf mögliche Verbrechen, die vor der Invasion  begangen wurden. Angesichts der Ausbreitung des Konflikts sollten die Ermittlungen nach Khans  Ansicht nach aber erweitert werden. Es gebe „eine ausreichende Grundlage für die Annahme, dass sowohl Kriegsverbrechen als auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Ukraine begangen wurden.“

US-Regierung will Ukraine mit fast 6 Milliarden Euro helfen

Die US-Regierung von Präsident Joe Biden will ebenfalls mit Geld helfen: Sie beantragte beim Kongress ein Hilfspaket mit einem Umfang von 5,7 Milliarden Euro für die Ukraine. Das Paket kommt zusätzlich zur jüngsten militärischen Soforthilfe der US-Regierung für die Ukraine mit einem Volumen von 350 Millionen Dollar. Die australische Regierung will die Ukraine mit militärischer Ausrüstung und humanitärer Hilfe in Höhe von 68 Millionen Euro unterstützen.

Während Hunderttausende Menschen in den Nachbarländern der Ukraine Zuflucht suchen, steigt allmählich auch die Zahl der in Deutschland ankommenden Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet. Bis Dienstagmorgen habe die Bundespolizei die Einreise von 3063 Kriegsflüchtlingen festgestellt. Da an den EU-Binnengrenzen keine Grenzkontrollen stattfänden, könne die Zahl der nach Deutschland eingereisten Kriegsflüchtlinge tatsächlich allerdings bereits wesentlich höher sein.