Anatoli Tschubais soll auf Sardinien im Krankenhaus liegen (Foto von 2009)
Anatoli Tschubais soll auf Sardinien im Krankenhaus liegen (Foto von 2009) dpa/epa/Mikhail Metzel

Es fällt schwer, nicht an einen russischen Gift-Anschlag zu glauben: Der nach Beginn des Ukraine-Kriegs zurückgetretene und ins Ausland entschwundene Putin-Berater Anatoli Tschubais (67) wird laut Medienberichten mit schweren gesundheitlichen Problemen in Europa in einem Krankenhaus behandelt. Laut der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“  liegt Tschubais in einer Klinik auf der Mittelmeerinsel Sardinien, wo er zuvor Urlaub gemacht haben soll.

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„Das ist natürlich eine traurige Nachricht, wir wünschen ihm baldige Genesung“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag der Agentur Interfax zufolge in Moskau.

Russische Präsidentschaftskandidatin berichtet von Spezialisten in Schutzanzügen

Am Sonntag hatte die  russische Moderatorin und frühere Präsidentenkandidatin Xenia Sobtschak unter Berufung auf Tschubais' Familie geschrieben, der einstige russische Finanzminister und Vizepremier in den 90-er Jahren sei in „nicht stabilem Zustand“ auf eine Intensivstation gebracht worden. „Ihm wurde schlecht. Seine Arme und Beine erlahmten plötzlich.“ Sobtschaks Angaben zufolge wurde der Raum, in dem sich Tschubais zuletzt aufgehalten hatte, von „Spezialisten in Chemie-Schutzanzügen“ untersucht.

Angesichts dieser Beschreibungen entbrannten in sozialen Netzwerken Spekulationen darüber, ob der einstige Vertraute von Russlands Präsident Wladimir Putin möglicherweise vergiftet worden sein könnte. Auch die „Repubblica“ schrieb, es werde einem Vergiftungsverdacht nachgegangen. Mögliche Ursache von Tschubais' Unwohlsein könne aber auch eine seltene Nervenkrankheit sein, hieß es.

Einstiger russischer Finanzminister legte Amt als Sonderbeauftragter Putins im März nieder

Tschubais, der nach seiner Zeit als Regierungsmitglied mehrere große Firmen führte, hatte 2020 das Amt als Kreml-Sonderbeauftragter für Beziehungen zu internationalen Organisationen übernommen. Ende März 2022 legte er es nieder – rund einen Monat nach Russlands Einmarsch in die Ukraine. Medienberichten zufolge war er mit Putins Krieg nicht einverstanden. Aus dem Kreml hieß es damals lediglich, Tschubais sei „auf eigenen Wunsch“ gegangen.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Fälle von vergifteten Kremlgegnern. Der bekannteste ist der Oppositionelle Alexej Nawalny, der 2020 nur knapp einen Mordanschlag mit dem Nervengift Nowitschok überlebte und jetzt auf viele Jahre in ein Straflager gesteckt wurde. Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch äußerte sich nun auch direkt zu dem erkrankten Tschubais: „Das also ist der Ruf des Kremls: Niemand hat größere Zweifel daran, dass Tschubais vergiftet wurde“, schrieb sie auf Twitter.

Gescheitert war auch ein russischer Nowitschok-Anschlag auf den Geheimdienst-Überläufer Sergej Skripal 2018 im englischen Salisbury, dem eine unbeteiligte Frau erlag.

2006 starb der russische Ex-Spion Alexander Litwinenko in London. Eine britische Untersuchung ergab, er sei vom russischen Geheimdienst FSB mit dem radioaktiven Polonium 210 vergiftet worden.