Wladimir Putin bei dem Treffen mit "Soldatenmüttern".
Wladimir Putin bei dem Treffen mit "Soldatenmüttern". AP/Alexander Shcherbak

Zum Bild eines fürsorglichen Feldherren gehört es, dass der Anführer sich mitfühlend um die Mütter der kämpfenden oder gefallenen Soldaten kümmert. So sieht das wohl auch Wladimir Putin und inszenierte ein Treffen mit 17 Frauen in seiner Residenz in Nowo-Ogarjowo. Fotos zeigen ihn im tröstenden Gespräch mit den Frauen, die der Öffentlichkeit als „Mütter einfacher Soldaten“ präsentiert wurden. 

Dumm nur, dass oppositionelle Medien, einige der Frauen eindeutig als regierungstreue Politikerinnen und Beamtinnen enttarnten, die alle gar keine Söhne im Gefecht haben, um die sie bangen oder trauern könnten.  

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Putins Treffen mit angeblichen „Soldatenmüttern“

Bei dem Treffen mit den russischen „Soldatenmüttern“ gab sich Präsident Putin auffällig einfühlsam. „Ich möchte, dass Sie wissen, dass wir diesen Schmerz mit Ihnen teilen, und dass wir natürlich alles dafür tun werden, damit Sie sich nicht vergessen fühlen“, so der Präsident. Offensichtlich geht es also auch um gefallene Soldaten. Die „Mütter“ gucken traurig in die Kamera. 

Ob dieser Termin teilweise oder komplett inszeniert war, ist unklar. In jedem Fall bleiben sehr viele Fragezeichen. 

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Ob unter den Frauen tatsächlich Soldatenmütter waren, ist nicht klar.
Ob unter den Frauen tatsächlich Soldatenmütter waren, ist nicht klar. AP/Mikhail Metzel/Pool Sputnik Kremlin

Expertin sicher: Es waren nur „Schein-Mütter“!

Die „Union der Komitees der Soldatenmütter“ ist zum einen eine international angesehene Menschenrechtsorganisation. Zum anderen fiel sie in Ungnade der russischen Regierung, nachdem sie Missstände in der russischen Armee angeprangert hatte. Ihre Mitglieder werden als „ausländische Agenten“ verfolgt - und von Putin natürlich nicht eingeladen.

Gleiches gilt für den vor kurzem gegründeten „Rat der Mütter und Ehefrauen“. Dessen Gründerin Olga Tsukanova geht laut einem Bericht des Exil-Mediums „Meduza“ davon aus, dass es sich bei den Teilnehmerinnen des Treffens um „Schein-Mütter“ handelt. Tatsächlich haben russische Oppositionsjournalisten mindestens sieben der Frauen, die in Nowo-Ogarjowo dabei waren, als regierungstreue Beamtinnen und Politikerinnen enttarnt.

Laut „Mozhem Objasnit“ sind auf den Fotos unter anderen eine Mitarbeiterin der von Putin gegründeten Bewegung „Gesamtrussische Volksfront“, eine Moskauer Abgeordnete der Kreml-Partei „Einiges Russland“ und ein Mitglied der Volkskammer aus Orechowo-Sujewo zu erkennen. Zudem wurde die Mitarbeiterin einer nationalistischen Organisation auf den Bildern ausgemacht. 

Putintreue Frauen am Tisch

Rechts von Putin etwa sitzt laut dem Bericht Olesya Shigina - eine putintreue Regisseurin, die patriotische Filme dreht.

Daneben ist auch die Leiterin der Abteilung für Familie, Jugend und Sport in der Verwaltung des Bezirks Kaa-Khem der Republik Tuwa zu sehen - ebenfalls angeblich eine von Putins „Soldatenmütter“. Dass Söhne dieser Frauen tatsächlich in der Ukraine kämpfen, ist den Experten nicht bekannt.

Wladimir Putin spricht mit Olesya Shigina.
Wladimir Putin spricht mit Olesya Shigina. AP/Alexander Shcherbak/Pool Sputnik Kremlin

Mutter von „einfachen Soldaten“?

Links von Putin hat laut „Mozhem Objasnit'“ eine Vertreterin der tschetschenischen „Aristokratie“ Platz genommen. Sharadat Aguewas Söhne, Ismail und Rustam Aguew, sind tatsächlich in der Ukraine. Die beiden sind aber alles andere als einfache Soldaten. Der eine ist Kommandeur eines Bataillons, der andere Leiter einer Polizeiabteilung in Tschetschenien. Ramsan Kadyrow, der gefürchtete Präsident der russischen Teilrepublik nannte Rustam Aguew mehrmals seinen „Bruder“.

Putin mit Zharadat Agueva. 
Putin mit Zharadat Agueva.  AP/Pool Sputnik Kremlin/Mikhail Metzel

Bleiben zehn Frauen, über die nichts Genaueres bekannt ist. Möglich ist, dass ihre Söhne wirklich Soldaten sind, die in der Ukraine kämpfen oder bereits für Putin gestorben sind. Wahrscheinlicher erscheint aber die These, dass der ganze Termin ein Propaganda-Fake war.