Ein Leopard 2A4 Panzer der polnischen 10. Panzerkavalleriebrigade aus Swietoszow während der Übung Noble Jump.
Ein Leopard 2A4 Panzer der polnischen 10. Panzerkavalleriebrigade aus Swietoszow während der Übung Noble Jump. dpa/PAP/Lech Muszynski/

Der polnische Präsident Andrzej Duda hat bestätigt, dass Polen in naher Zukunft Leopard-2-Panzer an die Ukraine liefern wird. „Eine Kompanie Leopard-Panzer für die Ukraine wird im Rahmen des Aufbaus einer internationalen Koalition übertragen“, so Duda bei einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj im westukrainischen Lwiw. Eine solche Entscheidung sei in Polen bereits gefallen. 

Nach Angaben polnischer Militärexperten umfasst der Begriff Kompanie 14 Kampfpanzer. Polen hat Dutzende Leopard 2 in seinen Streitkräften im Einsatz, hat aber kürzlich amerikanische Kampfpanzer vom Typ M1 Abrams und südkoreanische Kampfpanzer vom Typ K2 „Black Panther“ bestellt. 

Duda traf sich am Mittwoch in Lwiw mit seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj und dem litauischen Präsidenten Gitanas Nauseda im Rahmen des sogenannten Lublin-Formates, bei dem sich Polen mit der Ukraine und Litauen berät.

Polnische Ankündigung setzt Bundeskanzler Olaf Scholz erheblich unter Druck

Eine internationale Allianz zur Lieferung von Leopard 2 gibt es bislang noch nicht. Sie könnte jedoch auf dem einem Treffen in Ramstein am 20. Januar noch entstehen. Polen braucht jedoch auch für eine eigene Lieferung die Zustimmung von der Bundesregierung. Regierungssprecher Steffen Hebestreit sagte am Mittwoch in Berlin, es gebe bei dem Thema „keinen neuen Stand mitzuteilen“. Es sei unwahrscheinlich, dass sich die Haltung der Bundesregierung bis zum Nato-Treffen in Ramstein am 20. Januar ändere, fügte er hinzu.

Die Ankündigung dürfte Bundeskanzler Olaf Scholz aber dennoch erheblich unter Druck setzen. Besonders die SPD hatte sich in der Bundesregierung bisher gegen die Lieferung moderner Kampfpanzer gestemmt. Doch nachdem Frankreichs Präsident vergangene Woche die Lieferung leichter moderner Panzer ankündigte, gab auch Berlin nach und stimmte der Lieferung von Marder-Schützenpanzern zu.

Scholz und andere SPD-Politiker hatten auch bei den Mardern monatelang blockiert und die Lieferung an die Ukraine abgelehnt. Nun könnte es auch wieder ein europäischer Nachbar sein, der ein Einknicken der Bundesregierung erzwingt. Politikexperten gehen davon aus, dass Scholz nun kaum noch eine Ausrede zur Lieferung von Leopard-Panzern bleibt. 

Auch Briten wollen moderne Kampfpanzer liefern

Die britische Regierung hat am Mittwoch bereits die Lieferung moderner Kampfpanzer angekündigt. Wie die Financial Times berichtet hat die Downing Street die Lieferung von Panzern an die Ukraine bestätigt. Laut FT habe Premierminister Rishi Sunak den Verteidigungsminister Ben Wallace gebeten, „mit Partnern zusammenzuarbeiten“ und der Ukraine weitere Unterstützung zu leisten, „einschließlich der Bereitstellung von Panzern“.

Ob die Briten nun Panzer des Typs Challenger 2 liefern, ist jedoch noch unklar. Die Meldung könnte auch andeuten, dass man bei der Entsendung unterstütze und Partnerländer möglicherweise sichere. Die britischen Streitkräfte sollen nur über 227 Challenger 2 verfügen, während es in Europa rund 2000 Leopard 2 gäbe.

Premierminister Sunak sagte zudem, Großbritannien werde seine Unterstützung für Kiew beschleunigen und das Land mit „der Art militärischer Technologie versorgen, die dabei helfen wird, den Krieg zu gewinnen“. 

Baerbock hatte Lieferung weiterer Waffen an die Ukraine versprochen

Eine finale Entscheidung sei aber noch nicht getroffen worden, betonte der Sprecher. Zu der Frage, ob London mit Berlin Gespräche über die vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj geforderte Lieferung von Leopard-2-Panzern führe, wollte er sich nicht äußern.

Außenministerin Annalena Baerbock hatte am Dienstagabend nach einem Besuch der ostukrainischen Stadt Charkiw gesagt, dass die Ukraine zur Befreiung weiterer Gebiete zusätzliche Panzerlieferungen brauche. In den ARD-„Tagesthemen“ verteidigte die Grünen-Politikerin hinsichtlich der Forderungen nach der Lieferung von Leopard-2-Kampfern zugleich das Vorgehen der Bundesregierung, sich in der Frage mit den Verbündeten abzustimmen und behutsam vorzugehen. „Auch wenn das Herz einem brennt“ sei es wichtig, gemeinsam zu überlegen, wie verantwortungsvolle Schritte gegangen werden könnten.