Kämpfer des rechtsextremistischen Regiments Asow tauchen Patronen in Schweinefett für den Kampf gegen putintreue Kämpfer aus Tschetschenien. Imago/ZumaWire, Twitter/Ukrainische Nationalgarde

Seit fast zwei Wochen tobt der von Russland entfesselte Krieg nun in zahlreichen Städten in der Ukraine. Menschen bangen um ihr Leben, verlassen ihre Häuser, ihre Liebsten. In diesen Extremsituationen neigen wir dazu wie in Hollywood-Filmen eine helle und eine dunkle Seite zu sehen. Doch die Realität ist auch dieses Mal viel komplexer.

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Russlands Krieg in der Ukraine: Auch hier gibt es nicht nur gut und böse

Wladimir Putins größenwahnsinniger Angriff macht nicht alle Russen zu bösen Menschen – Demonstrationen in ganz Russland zeugen davon, dass längst nicht alle treu zu Putin und seinem imperialistischen Krieg stehen. Und auch auf Seiten der Ukraine, die viel Solidarität erfährt, mischt sich immer mehr Grau ins helle Bild.

Bereits seit dem Ausbruch des Krieges machen wieder Nachrichten die Runde, dass ukrainische Soldaten und Sicherheitskräfte, Schwarze Studentinnen und Studenten aus dem Ausland an der Flucht hindern würden. Und auch ein weiterer Fall von Rassismus wirft ein übles Licht auf die ukrainische Armee.

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Denn auf dem offiziellen und verifizierten Twitter-Account der ukrainischen Nationalgarde tauchte bereits am 27. Februar ein schockierendes Video auf. Darauf zu sehen ist ein maskierter Mann, der gerade sein Magazin mit Patronen auffüllt. Doch die Patronen taucht er zuerst in eine weiche, helle Masse.

Ukrainische Soldaten tauchen Patronen in Schweinefett

Was diese Masse ist, verrät die dazugehörige Beschreibung der ukrainischen Streitkräfte: „Asow-Kämpfer schmieren die Kugeln mit Schweineschmalz gegen die Kadyrow-Orks.“ Gemeint sind die Söldnertruppen des putintreuen tschetschenischen Machthabers Ramsan Kadyrow. Kadyrow und seine Kämpfer sind Muslime.

Die Kugeln mit Schweineschmalz einzufetten, hat daher wohl den Zweck den Kriegsgegner nicht nur zu besiegen, sondern auch zu demütigen. Moslems gelten Schweine als unreine Tiere. Es ist nicht der erste Fall: 2013 brachte eine Munitionsfirma aus den USA die sogenannte „Jihawg-Munition“ heraus, die war mit Schweinefett versehen und sollte „islamistische Terroristen zur Hölle“ schicken.

Regiment Asow gilt als rechtsextrem

Auch der aggressive Demütigungswille aus dem Regiment Asow kommt dabei nicht von ungefähr. Das paramilitärische Freiwilligenbataillon wurde 2014 von ultranationalistischen ukrainischen Politikern gegründet. Obwohl es dem ukrainischen Innenministerium untersteht, macht keinen Hehl aus seiner rechtsextremen Ausrichtung.

So sind die Führer des Bataillons in Verbindung mit der deutschen rechtsextremen Kleinstpartei III. Weg, oder der vom Verfassungsschutz beobachteten Identitären Bewegung. Nun scheint das Regiment die Verteidigung der Ukraine für ihren ganz persönlichen, rassistischen Feldzug zu missbrauchen.

Die Gesinnung des Regiments zeigt sich bereits im Wappen, in dessen Mitte die Wolfsangel prangt Einst vielfach in Wappen eingesetzt, ist sie nach Vereinnahmung in der Weimarer Republik und in Nazi-Deutschland längst zu einem Symbol von Rechtsextremisten in aller Welt geworden.

Das Logo des Regiments Asow ist eine Wolfsangel. Ein beliebtes Symbol unter Rechtsextremen auf der ganzen Welt. Imago/ZumaWire

Das Video, auf dem sich der maskierte Mann sogar direkt an die „muslimischen Brüder“ wendet und ankündigt, dass man sie in der Ukraine „nicht in den Himmel lassen“ wird, wurde von Twitter mit einem Warnhinweis versehen. Darin heißt es: „Dieser Tweet verstößt gegen die Twitter Regeln zu Hass schürendem Verhalten. Twitter hat jedoch beschlossen, dass möglicherweise ein öffentliches Interesse daran besteht, diesen Tweet zugänglich zu lassen.“

Russlands Krieg in der Ukraine: Auch deutsche Neonazis wollen kämpfen

Mit dem öffentlichen Interesse dürfte hier die transparente Berichterstattung gemeint sein. Denn wenn auch klar ist, dass es sich um einen von Wladimir Putin entfesselten Angriffskrieg handelt, unter dem vor allem die ukrainische Bevölkerung leidet, ist das kein Freifahrtschein für die ukrainische Führung.

Doch die scheint in der aktuellen Bedrängnis nicht darauf zu achten, mit wem man sich hier gemein macht. Während das Regiment Asow bereits seit Jahren in der Ostukraine kämpft, wollen viele deutsche Rechtsextremisten dem Aufruf des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj folgen, um sich den ukrainischen Truppen anzuschließen.

Dabei ist die Szene in Deutschland sehr gespalten, wie ein Blick in rechte Social-Media-Gruppen verrät. Einige halten zu Putin, der mit seinem totalitären Führungsstil und der Unterdrückung von Minderheiten so etwas wie der Posterboy von rechtsradikalen auf der ganzen Welt ist. Andere aber wiederum fühlen sich nationalistischen ukrainischen Kampftruppen wie dem Regiment Asow verbunden.

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Auch dieser Krieg, der zunächst so klar wirkt, birgt viele Grautöne. Nur eines ist immer gleich: Die Opfer bringt vor allem die Zivilbevölkerung.