Ukrainische Soldaten bergen die Überreste von vier getöteten Zivilisten in Butscha. AP/Felipe Dana

Die Gräueltaten von Butscha haben die Welt schockiert.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat jetzt in einem emotionalen Appell vor dem UN-Sicherheitsrat gefordert, Russland für die Verbrechen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Vereinten Nationen müssten angesichts der Kriegsverbrechen“ sofort handeln, sagte Selenskyj am Dienstag in einer per Video übertragenen Rede.

Eine Option sei es, „Russland als Aggressor und Kriegsauslöser aus dem UN-Sicherheitsrat zu entfernen, damit es nicht länger Entscheidungen über seine eigene Aggression blockieren kann“, so Selenskyj. Der ukrainische Präsident spielte damit auf das Vetorecht Russlands im UN-Sicherheitsrat in New York an. Ohne tiefgreifende Reformen müsse sich der Sicherheitsrat womöglich „selbst auflösen“, sagte Selenskyj. Die Vereinten Nationen könnten „dichtgemacht“ werden.

Massengräber in Butscha. dpa/Satellite image ©2022 Maxar Tec
Zum Teil waren die Leichen gefesselt. AP/Efrem Lukatsky

„Zivilisten wurden zum Vergnügen mit Panzern zerquetscht“

Mit schockierenden Worten schilderte der Präsident die Gräueltaten von Butscha, die er Russland zuschrieb. Menschen seien „in ihren Wohnungen, in ihren Häusern“ durch Granaten getötet worden. „Zivilisten wurden einfach zum Vergnügen mit Panzern zerquetscht, als sie mitten auf der Straße in ihren Autos saßen. Sie (russische Soldaten) haben Gliedmaßen abgeschnitten.“ Frauen seien vor den Augen ihrer Kinder vergewaltigt und getötet worden.

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Selenskyj verglich das Vorgehen der russischen Streitkräfte mit dem von „Terroristen“ wie Anhängern der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Und diese Kriegsverbrechen seien kein Einzelfall. „Die Welt hat jetzt gesehen, was Russland in Butscha getan hat, aber die Welt hat noch nicht gesehen, was sie in anderen besetzten Städten und Regionen unseres Landes getan haben“, so Selenskyj.

Grauenhafte Bilder aus Butscha: Der Leichnam eines getöteten Zivilisten liegt auf der Straße, neben ihm wacht sein Hund. IMAGO/Maca Vojtech Darvik
Verbrannte Leichen werden geborgen. AFP/GENYA SAVILOV

Tote Kinder, einige sind nackt

Das zeigte der Präsident in einem neuen Video, das die Sicherheitsrat-Mitglieder erschreckte. Zu sehen sind verbrannte Leichen, die auf Haufen gestapelt wurden. Darunter auch tote Kinder, einige sind nackt. Außerdem alte Menschen, alles Zivilisten.

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Mehrere Leichen knien nebeneinander, die Hände teils auf dem Rücken gefesselt, die Gesichter der Wand zugerichtet. Tote liegen wahllos auf den Straßen oder wurden in Massengräbern zusammengepfercht. Neben einer Leiche am Straßenrand wacht noch ein Hund.

Eingeblendet werden Ortsmarken: Irpin, Dymerka, Mariupol, Butscha.

Wassili Nebensja, Ständiger Vertreter von Russland bei den Vereinten Nationen. AP/John Minchillo

Moskau bestreitet jede Verantwortung

Der Kreml weist weiter jede Schuld von sich. Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja (60) sprach von „unbegründeten Anschuldigungen“. Es handele sich um eine „große Menge Lügen“. Moskau behauptet: Die Leichen auf den Fotos aus Butscha seien direkt nach dem Rückzug des russischen Militärs noch nicht dort gewesen...

Die „New York Times“ veröffentlichte Videos und Satellitenbilder, die zeigen, dass Mitte März bereits zahllose Tote auf den Straßen lagen.