Auch in Kiew gibt es Hoffnung auf Frieden. dpa/Alex Chan Tsz Yuk

Erstmals bahnt sich ein Rückzug der russischen Truppen in der Ukraine an. Damit gibt es zumindest einen Funken Hoffnung auf Frieden in der Ukraine.

Bei den Verhandlungen in Istanbul sei ein deutlicher Schritt Richtung Frieden in der Ukraine gelungen, sagt die türkische Regierung. Außenminister Mevlüt Cavusoglu fügte sogar hinzu: Der Krieg müsse „jetzt enden“.

„Militärischen Aktivitäten“ deutlich reduzieren

Anlass für die Hoffnung scheint eine Ankündigung der russischen Seite zu sein. Demnach wolle man die „militärischen Aktivitäten“ in der Ukraine bei Kiew und Tschernihiw deutlich reduzieren. Dies sei angesichts des Verlaufs der Verhandlungen mit der Ukraine entschieden worden. So teilte es Vize-Verteidigungsminister Alexander Fomin am Dienstag nach den Gesprächen in Istanbul mit.

Alexander Fomin, stellvertretender Verteidigungsminister von Russland AP

Beobachter und Experten bleiben vorsichtig. Man dürfe die russischen Ankündigungen auch nicht überinterpretieren, hieß es. Fakt ist: Seit gut einem Monat läuft Putins Angriffskrieg. Das erste Mal hat Russland jetzt eine derart defensive Aussage dazu gemacht. Mehr noch: Die Streitkräfte sollen sich regional sogar zurückziehen. Es gibt also Hoffnung. Aber mehr auch nicht.

Russlands erste Rückzug-Ankündigung

Das russische Verteidigungsministerium hatte schon vor einigen Tagen mitgeteilt, sich auf den Donbass im Osten der Ukraine konzentrieren zu wollen. Schon das klang nicht mehr danach, um jeden Preis das ganze Land erobern zu müssen.

Der Schritt solle dazu dienen, gegenseitig Vertrauen aufzubauen und die Bedingungen für weitere Verhandlungen zu schaffen, sagte Vize-Verteidigungsminister Fomin. Die Ukraine sei dabei, einen Vertrag vorzubereiten über einen neutralen Status des Landes ohne Atomwaffen. Russland gehe davon aus, dass die Ukraine dazu entsprechende Entscheidungen treffe. Eine ausführliche Information über die Vereinbarungen von Istanbul solle es nach der Rückkehr der Delegation nach Moskau geben.

Mychajlo Podoljak, Berater des ukrainischen Präsidenten Selenskyj und Mitglied der ukrainischen Delegation, bestätigte die russischen Ankündigungen. AP/Emrah Gurel

Ukraine bestätigt Rückzug-Bewegungen

Unterdessen teilte der ukrainische Generalstab mit, im Gebiet um die Hauptstadt Kiew und die nordukrainische Großstadt Tschernihiw werde tatsächlich der Abzug einzelner Einheiten der russischen Streitkräfte beobachtet.

Von einem nahenden Ende des Krieges kann deshalb aber noch lange keine Rede sein. Die Sprecherin des russischen  Außenministeriums Maria Sacharowa beeilte sich auch klarzustellen, dass die „militärische Spezial-Operation“  ungeachtet der Ankündigung für Kiew und Tschernihiw fortsetzt werde.

Denkbar scheint jetzt aber, dass es ein Treffen auf höchster Ebene geben könnte, also zwischen Wladimir Putin und Ukraine-Präsident Wolodymyr Selenskyj. Darauf drängt vor allem die ukrainische Seite. Deren Delegation zeigte sich offen für einen möglichen neutralen Status des Landes, beharrt aber auf feste Sicherheitsgarantien. Auch Gebietsabtretungen kommen für die Ukraine offenbar nicht infrage.

Die Parteien reden miteinander. Und es geht wohl über den Austausch von Aggressionen hinaus. Die Hoffnung auf Frieden in der Ukraine erwacht wirklich wieder zum Leben.