Zwei Funkgeräte in der Hand, Kopfhörer hochgeschoben, Zigarette im Mund: Ein ukrainischer Soldat versucht während der Schlacht um Sjewjerodonezk, den Überblick zu behalten. Links lehnt eine Panzerabwehrwaffe an der Wand, rechts stehen Munitionskisten. AP/Oleksandr Ratushniak

Die Ukraine erhofft dringend weitere Waffenhilfe und entsprechende Entscheidungen bei Nato-Gipfel am Mittwoch in Brüssel. Angesichts einer sich inzwischen auf 2400 Kilometer erstreckende Front gegen die russischen Aggressoren und knapp werdender Artillerie-Munition sei Not am Mann.

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„1000 Haubitzen vom Kaliber 155 Millimeter, 300 Mehrfachraketenwerfersysteme, 500 Panzer, 2000 gepanzerte Fahrzeuge, 1000 Drohnen“, beschrieb am Montag ein Präsidentenberater am Montag auf Twitter den Bedarf. Plus Munition. Besonderen Wert legt die Ukraine auf Geschütze, die weiter schießen als die russischen. Nur so könne deren zahlenmäßige Überlegenheit wettgemacht werden. Präsident  Wolodymyr Selenskyj verlangte außerdem Flugabwehr.

Blutige Kämpfe um Großstadt im Osten der Ukraine

Nicht überall an der Front wird gekämpft. Besonders blutig ist aber die seit Wochen andauernde Schlacht um die  Großstadt Sjewjerodonezk im ostukrainischen Donbass, wo Russland laut ukrainischem Oberbefehlshaber Waleryi Saluschnyj eine zehnfach überlegene Feuerkraft einsetzt. Anscheinend hat das Zentrum des Trümmerfelds inzwischen wieder den Eigentümer gewechselt, russische Truppen sollen es erneut eingenommen haben.

Gleichzeitig meldet Kiew Geländegewinne bei Gegenangriffen im Süden des Landes bei Kherson.

Die flächendeckende Zerstörung von Städten und Dörfern durch russische Truppen selbst der ukrainischen Gebiete, die sie okkupieren sollen, könnte nach Erkenntnissen von US-Experten und des ukrainischen Militärgeheimdiensts noch Monate andauern. Danach hat die russische Führung ihre Kriegsplanung bis Oktober verlängert. Dann würde der am 24. Februar begonnene Krieg acht Monate dauern.

Angesichts der Kämpfe im Osten der Ukraine geraten die russischen Massaker von Butscha und anderen Orten bei Kiew in Vergessenheit: Hier holt ein Bergungsteam Leichen aus einem Massengrab. AP/Natacha Pisarenko

Ob bis dahin die von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) versprochenen schweren Waffen aus Deutschland in der Ukraine eingetroffen sind, ist offen.

Deutschland lieferte Waffen, Munition und Ausrüstung im Wert von 350 Millionen Euro

Seit Kriegsbeginn hat Deutschland die Lieferung von Waffen und anderen Rüstungsgütern im Wert von 350,1 Millionen Euro an die Ukraine genehmigt, wie das Wirtschaftsministerium auf Anfrage der Linken im Bundestag berichtete.

Bis zum 1. Juni gab die Regierung demnach die Lieferung von Kriegswaffen für 219,8 Millionen Euro und sonstiger Rüstungsgüter wie Helme und Schutzwesten für 85,2 Millionen Euro frei. Hinzu kommen Waffen und Ausrüstung aus Bundeswehrbeständen für 45,1 Millionen Euro. Geliefert wurden Panzerfäuste, Flugabwehrraketen, Splittergranaten und mehr als 20 Millionen Schuss Munition. Schwere Waffen wie Artilleriegeschütze und Flugabwehrpanzer wurden bisher zwar zugesagt, aber noch nicht geliefert.

Zum Vergleich: Die USA haben der Ukraine von Kriegsbeginn bis zum 1. Juni nach Regierungsangaben Waffen und Ausrüstung im Wert von  4,37 Milliarden Euro zugesagt oder geliefert, 12,5 Mal so viel. Dazu gehören zahlreiche schwere Waffen, zum Beispiel Haubitzen und Mehrfach-Raketenwerfer.