Zwei Frauen in den Trümmern eines durch eine Drohne zerstörten Hauses in Kiew, eine hat die Hände verzweifelt vor dem Gesicht gefaltet.
Zwei Frauen in den Trümmern eines durch eine Drohne zerstörten Hauses in Kiew, eine hat die Hände verzweifelt vor dem Gesicht gefaltet. AP/Roman Hrystyna

Ist es unerschütterlicher oder verzweifelter Humor, wenn die Ukrainer gegen „Mopeds“ kämpfen? So nennen sie wegen ihres Motorgeräuschs die sprengstoffgefüllten Kamikaze-Drohnen iranischer Produktion, mit denen Russland ständig angreift und die massenhaft abgeschossen werden, zuletzt in der Nacht zu Montag. Einige kommen aber durch, töten Menschen, zerstören Wohnhäuser und Anlagen der Energieversorgung. 

„Die russischen Terroristen waren bereits erbärmlich, und sind auch so ins neue Jahr gestartet“, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Doch ihre Angriffe könnten den Ukrainern nichts anhaben. „Unser Zusammengehörigkeitsgefühl, unsere Authentizität, das Leben selbst – all das steht so sehr im Kontrast zu der Angst, die in Russland vorherrscht.“ Das russische Militär habe spürbar Angst. „Und sie haben zu Recht Angst, denn sie werden verlieren.“  

Jedenfalls hat Russland gerade sehr viele Soldaten auf einen Schlag verloren: Bei einem ukrainischen Raketenangriff in der Neujahrsnacht wurde eine Militärunterkunft beim Ort Makijiwka (russisch: Makejewka) im Donbass getroffen. Die Ukrainer sprechen von 400 Toten und 300 Verletzten, die Russen von 63 Toten.

Die Ukrainer sollen wegen viel Datenverkehr von Mobiltelefonen auf den Ort aufmerksam geworden sein, an dem sich jüngst eingezogene Reservisten zu einer Neujahrsfeier versammelt hätten.

Krieg am Boden wird Abnutzungsschlacht 

Am Boden aber scheint es nirgends vor oder zurück zu gehen, auch wenn russische Truppen unter hohen Verlusten gegen zerstörte Kleinstädte anrennen. Daraus schließt der pensionierte Bundeswehr- und Nato-General Hans-Lothar Domröse (70) in einem Interview, dass beide Seiten spätestens im Mai zu der Erkenntnis kommen könnten, dass sie nicht weiterkommen.

Domröse: „Das wäre der Moment für Waffenstillstandsverhandlungen. Waffenstillstand heißt: Wir beenden das Schießen. Die Verhandlungen dürften lange dauern, man benötigt einen Vermittler: vielleicht UN-Generalsekretär Guterres, der türkische Präsident Erdogan oder der indische Präsident Modi.“

Deutscher General erwartet langwierige Verhandlungen

Es bleibe nur eine Verhandlungslösung, die für beide Seiten akzeptabel sei, „auch wenn Putin eigentlich gern die gesamte Ukraine hätte und Selenskyj die gesamte Ukraine wieder befreien möchte“. Er könne auf die Forderung verzichten, zum Beispiel die Krim sofort wieder in die Ukraine einzugliedern – man könnte einen Übergang vereinbaren.

Auch der Russland- und Sicherheitsexperte András Rácz von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik sagte, im Sommer könnte es Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland geben. „Ich bin ziemlich sicher, dass wir zum Jahresende eine Art Waffenstillstand haben werden.“

Der „Geist von Kiew“ fliegt in einem Manga-Comic

Einstweilen gehen das Töten und Sterben und die Propaganda weiter. Ein japanischer Manga-Künstler hilft dabei der Ukraine. Juko Matsuda schuf einen Comic über den „Geist von Kiew“, geheimnisvolles Flieger-Ass  der ukrainischen Luftwaffe. Er soll in den ersten Tagen des Kriegs im Februar 2022 reihenweise russische Flugzeuge und Hubschrauber mit seiner MiG-29 vom Himmel geholt haben. 

Der „Geist von Kiew“, für einen Manga-Comic gezeichnet von Juko Matsuda.
Der „Geist von Kiew“, für einen Manga-Comic gezeichnet von Juko Matsuda. Twitter / Juko Matsuda

Diese Heldensage wurde auch von staatlicher Seite aufgegriffen und verbreitet, als moralische Unterstützung. Erst im Mai wurde zugegeben, dass die russische Luftwaffe zwar schwere Verluste hatte, es diesen Helden aber nicht gab. Seine Geschichte jedoch ist in der Welt, und ein ukrainischer Verlag hat den 16 Seiten schmalen Comic jetzt in der Ukraine auf den Markt gebracht.