Ankunft ukrainischer Flüchtlinge am Hauptbahnhof. Anna, 44, mit Anastasia, 15, und Katharina, 5, aus Charkiw. Sabine Gudath

Schwere Kämpfe um Charkiw. Krankenhaus in Charkiw angegriffen. Ukraine fordert Feuerpause in Charkiw um Zivilisten zu retten. Die Nachrichten aus der hart umkämpften Großstadt im Osten der Ukraine überschlagen sich während Anna aus Charkiw im Obergeschoss des Berliner Hauptbahnhofs eine Becher Kaffee und ein in Folie gepacktes Toastbrot gleichzeitig in der Hand hält. Wackelig ist das ganze Konstrukt, jetzt gibt der freundliche Helfer ihr noch Kaffeesahne in Döschen, es droht alles umzufallen.

So fragil wie der Turm an freundlichen Gaben ist auch der innerliche Zustand der 44-Jährigen Mutter, die mit ihren beiden Töchtern nun weiter nach Hannover zu Freunden fahren will.

Auf der Flucht vor dem Krieg: der Waschbär muss mit

Die fünfjährige Katharina hat ihren großen Plüsch-Waschbären mitgenommen. Sein graues Fell ist schon abgeliebt, er ist groß genug, um als Kopfkissen zu dienen. In den Nächten, die sie in einem Luftschutzkeller verbringen mussten, hat das Kuscheltier Trost gespendet. Auch als sie sich nach Uschgorod aufmachten, wo der Vater der beiden Mädchen noch immer ausharrt, war der Waschbär dabei. Ebenso, als es im Bus nach Prag ging und von dort nach Berlin. „Drei Tage lang waren wir unterwegs“, sagt Anna. Ob sie sich denn hier in Berlin sicher fühle, frage ich.

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Putins Bomben können überall Unheil anrichten

„Ich habe solche Angst“, sagt Anna und ihre Augen füllen sich mit Tränen. „Putin kann mit seinen Bomben überall in der Welt Unheil anrichten. Mit ihm an der Macht  sind nirgendwo in Sicherheit.“ Dabei seien  sie überall auf der beschwerlichen Reise nur freundlichen Menschen begegnet. „Die Menschlichkeit muss einfach gewinnen in diesem Krieg“, sagt Anna. „Sie muss es.“ Das Gefühl der Hilflosigkeit, Spielball in einem grausamen Spiel der Mächtige zu sein, ist überwältigend.

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Anastasia, die größere Tochter wird in ein paar Tagen 15. Sie wird ihren Geburtstag in Sorge um den Papa verbringen. Katharina hustet, die Nächte im Luftschutzraum waren kalt und es war nass, sagt Anna. So wie Anna und ihren Töchtern geht es Hunderttausenden. Laut UN-Flüchtlingsagentur UNHCR sollen bislang etwa eine Million Menschen aus der Ukraine geflüchtet sein. Die meisten davon nach Polen.