Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, spricht.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, spricht. dpa/Ukrinform

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wirkt zunehmend genervt von den Ausreden der deutschen Bundesregierung gegen Panzerlieferung: „Man muss nicht erzählen, dass Ukrainer 80 Jahre dafür brauchen, um zu verstehen, was ein Panzer ist. So dumm sind wir nicht“, sagte der ukrainische Präsident in einem Interview mit der ARD. 

Er zielte damit auf die ständigen Ausreden von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) mit denen er der Ukraine die Lieferung von Kampfpanzern des Typs Leopard 2 versagt. 

Selenkyj: „Bei uns sterben jeden Tag Menschen“

Selenskyj erhöht damit nochmals den Druck auf Deutschland kurz vor den Beratungen der westlichen Verbündeten in Ramstein am Freitag. Der ukrainische Präsident wünscht sich endlich einen entscheidenden Schritt der Bundesregierung. „Ihr könnt sicherlich noch sechs Monate reden, aber bei uns sterben jeden Tag Menschen“, sagte Selenskyj am Donnerstag in dem Interview mit der ARD. „Wenn ihr Leopard-Panzer habt, dann gebt sie uns.“

Selenskyj kritisierte auch die Argumentation der Bundesregierung, sie wolle bei Waffenlieferungen keine Alleingänge machen. Er warf Deutschland vor, sich zu sehr an anderen Ländern und nicht an den eigenen Möglichkeiten zu orientieren. Es sei nicht in Ordnung zu sagen: „Ich gebe genauso viel wie du. Wenn Amerika etwas unternimmt, dann unternehme ich auch etwas.“

Ukraine will sich verteidigen – nicht Russland angreifen

Die Ukraine verteidige sich gegen den russischen Angriff und habe nicht vor, das Nachbarland anzugreifen, betonte der ukrainische Präsident. „Diese Leoparden fahren nicht durch die Russische Föderation. Wir verteidigen uns.“ Zugleich dankte Selenskyj der Bundesregierung für ihre bisherige Militärhilfe. „Bundeskanzler Scholz hat der Ukraine, unserer Armee, ein sehr gutes Unterstützungspaket gegeben. Ich bin ihm dafür dankbar.“

Streitobjekt Leopard 2: Die Ukraine will die Panzer zur Verteidigung gegen die russische Invasion.
Streitobjekt Leopard 2: Die Ukraine will die Panzer zur Verteidigung gegen die russische Invasion. dpa/Michael Kappeler

Dennoch ist Scholz auch in der Kritik von so manchem EU-Partnerland. Der litauische Verteidigungsminister Arvydas Anusauskas geht davon aus, dass mehrere Verbündete der Ukraine dem Land Leopard-Panzer zur Verfügung stellen werden. „Einige Länder“ hätten sich zu einer Lieferung der Kampfpanzer aus deutscher Produktion an Kiew entschlossen, sagte Anusauskas am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. „Weitere Informationen werden morgen bei dem Treffen in Ramstein folgen“, fügte er hinzu.

Selenskyj äußerte in dem ARD-Interview zudem die Hoffnung auf mehr Unterstützung der westlichen Verbündeten bei der Stärkung der ukrainischen Luftverteidigung. „Denn man wünscht sich, dass die Russen nicht die Kontrolle über unseren Luftraum haben.“

Verhandlungen mit Moskau wenn „Russland unser Land komplett verlässt“

Verhandlungen mit Moskau schloss Selenskyj zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus. „Wenn Russland unser Land komplett verlässt, dann kann man über Schritte zu einer diplomatischen Lösung sprechen“, sagte er. Der ukrainische Präsident forderte zudem eine „Erstattung unserer Schäden“ durch Russland. „Wir brauchen Gerechtigkeit.“

Die Ukraine fordert schon seit längerer Zeit die Lieferung von Leopard-Kampfpanzern. Die westlichen Partner der Ukraine hatten die Lieferung von schweren Panzern an Kiew allerdings lange abgelehnt. Zuletzt hatten sich jedoch Polen und weitere EU- und Nato-Staaten zur Lieferung von in Deutschland hergestellten Leopard-Panzern bereiterklärt. Dafür müsste die Bundesregierung grünes Licht geben.

Mögliche Panzer-Lieferungen sind das zentrale Thema beim Treffen der sogenannten Ukraine-Kontaktgruppe auf der US-Militärbasis Ramstein in Rheinland-Pfalz am Freitag. An dem Treffen nehmen die Nato-Staaten und andere Länder teil, welche die Ukraine gegen den russischen Angriffskrieg unterstützen.