Über die Gesundheit von Russlanda Machthaber Wladimir Putin wird immer wieder spekuliert.
Über die Gesundheit von Russlanda Machthaber Wladimir Putin wird immer wieder spekuliert. AP/Pool Sputnik Kremlin

Am 24. Februar 2022 begann der russische Machthaber Wladimir Putin seinen brutalen Angriffkrieg auf die Ukraine – und auch heute, Monate später, wird ohne Pause gekämpft. Es liegt nahe, dass Putin von allen Seiten kritisch beäugt wird. Auch deshalb sorgte schon im April ein Video für Wirbel: Als sich Russlands Präsident mit seiner rechten Hand am Tisch festklammerte, während er mit seinem Verteidigungsminister sprach, flammten sofort Debatten über Putins Gesundheitszustand auf. Aber: Kann man an seinem Aussehen ablesen, wie es dem Machthaber wirklich geht?

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Auch die Bilder, auf denen Putin mit seinen Staatsbesuchern an langen Tischen zu sehen war, sorgten für Aufsehen. Wollte er die Besucher auf Abstand halten – oder verhindern, dass man ihm zu genau ins Gesicht schauen kann? Die Mutmaßungen reichten über Parkinson, Schilddrüsenkrebs, Schlaganfall bis hin zu Demenz, sobald Putins Gesicht mal aufgedunsen wirkte oder sein Gang hölzern. Aber: Kann man am äußeren Erscheinungsbild wirklich Krankheiten ablesen?

Wladimir Putin: Kann man am Hautbild Krankheiten ablesen?

„Vom bloßen Anblick her lassen sich nur wenige Diagnosen dingfest machen“, erklärt Christiane Bayerl von der Dermatologischen Gesellschaft. Es gebe aber immer wieder klinische Zeichen, die hellhörig werden lassen. Mit nicht-geschultem Blick Schlüsse ziehen zu wollen, sei aber schwierig. „Leider wird auch vieles von Laien fehlinterpretiert.“ So könne eine rote Färbung im Gesicht auf Bluthochdruck hinweisen, aber auch ganz ohne jeden Krankheitswert sein.

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Eine bestimmte Verteilung der Rötung könnte wiederum Indiz sein für eine recht verbreitete entzündliche Rosazea-Hauterkrankung. „Ein sehr schöner bronzefarbener Teint mit dunkel pigmentierten Handflächen steht für eine Störung der Funktion der Nebennierenrinde.“ Bei einer Schilddrüsenunterfunktion ist die Haut Bayerl zufolge oft trocken, schuppig oder Ödeme - Ansammlung von Flüssigkeit im Gewebe - treten in der Augenumgebung auf. Mit geröteten Augen haben etwa Pollenallergiker zu tun. Tränensäcke könnten völlig ohne Krankheitsbild sein, solange sie nicht blutig-bräunlich seien.

Kann man an Putins Haut ablesen, wie es dem russischen Präsidenten wirklich geht?
Kann man an Putins Haut ablesen, wie es dem russischen Präsidenten wirklich geht? AP/Pool Sputnik Kremlin

Auch bei einer Reihe von neurologischen Erkrankungen gebe es Hautveränderungen, schildert Peter Berlit, Generalsekretär der Gesellschaft für Neurologie. Wirke der Gang eines Menschen gestört, könne das manchmal „zumindest Verdachtsdiagnosen erlauben“ - etwa auf Spastiken oder Parkinson. Eine reduzierte Mimik weise womöglich unter anderem auf Einnahme bestimmter Medikamente hin oder auf psychische Erkrankungen. Demenz könne man nicht an äußerlichen Faktoren erkennen, stellt er klar. Weitere äußere Warnzeichen? „Unwillkürliche Bewegungen der Extremitäten oder spontane Muskelzuckungen können wichtige Krankheitssymptome sein.“

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Aus Körperhaltung, Motorik, Geschwindigkeit der Bewegung oder dem Gesichtsausdruck könne man durchaus Indizien für Krankheiten ableiten, sagt auch Allgemeinmediziner Manfred Imbert. Aber: „Man hat damit nie eine Gewissheit, sondern zunächst nur eine Wahrscheinlichkeit.“ Und es brauche einige Erfahrung, um äußerliche Auffälligkeiten oder sichtbare Veränderungen einordnen zu können, die dem Laien wohl in der Regel fehlen dürften, wie der niedergelassene Arzt aus Alsdorf bei Aachen zu Bedenken gibt. „Wenn ein Auto qualmt und klappert, weiß auch der Laie, dass etwas nicht stimmt, aber eben noch lange nicht, was genau da nicht stimmt.“

Medizin-Experte: Nicht jedes Zittern deutet gleich auf Parkinson hin

Bei vielen Erkrankungen gebe es eine ganze Reihe von möglichen Symptomen, die aber zugleich auch zu mehreren anderen Störungen passen würden. Beispiel: „Nicht jedes Zittern ist Parkinson.“ Hingegen könnten ein starrer Gesichtsausdruck, verzögerte Reaktion oder Schwindel sehr wohl auf Parkinson hindeuten. Auch beim Schlaganfall verhalte es sich mit den äußeren Indizien ein bisschen so „wie bei einem Chamäleon“, das seine Körperform und –farbe stark verändern kann. Je nach Länge der Durchblutungsstörung im Gehirn und je nach betroffenem Areal könne es mal zu Lähmungserscheinungen kommen, mal zu Gefühlsstörungen, in anderen Fällen würden Sprachstörungen ausgelöst, erläutert Imbert.

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„Prinzipiell ist es hochwichtig, dass man bei sich, dem Partner, nahe stehenden Personen auf äußere Merkmale und Veränderungen achtet. Selbstbeobachtung kann eine wichtige Vorbeugung sein“, betont Imbert etwa mit Blick auf Muttermale oder Knötchenbildungen unter der Haut. Schilddrüsenkrebs - zurück zu Gerüchten um Putin - sei äußerlich nicht zu erkennen, es sei denn, es gebe dicke Knotenbildungen am Hals im fortgeschrittenen Stadium. Ohnehin hält es der Mediziner für „unzulässig“, aus Videoclips auf bestimmte Krankheiten schließen zu wollen. „Eventuell kann man sehen, dass was nicht in Ordnung ist, aber darüber hinaus wäre alles im Reich der Spekulationen anzusiedeln.“