Die Jacht Amadea, hier in Honolulu fotografiert, wurde von Fidschi beschlagnahmt. AFP/Eugene Tanner

Superjachten waren bei russischen Milliardären lange die beliebteste Art, ihren Reichtum zur Schau zu stellen. Nicht jeder konnte sich schließlich einen Fußballverein kaufen, wie es Roman Abramowitsch mit Chelsea machte. Und bei den schwimmenden Statussymbolen konnten sich die Superreichen in Größe, Luxus und Protz messen.

Doch mit den westlichen Sanktionen gegen die russische Elite nach Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine wurden die zum Teil hunderte Millionen Euro teuren Schiffe ein augenscheinlich leichtes Ziel.  Und so wurden sie auch in mehreren Ländern festgesetzt. Selbst auf Fidschi beschlagnahmten US-Behörden die 150 Meter lange „Amadea“, die dem Gold-Milliardär Suleiman Kerimow zugeordnet wird.

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Nebel um die Besitzverhältnisse einer Oligarchen-Superjacht

„Zugeordnet“ ist hier allerdings ein Schlüsselwort, denn die Besitzverhältnisse bei russischem Milliardärsvermögen sind so gut wie nie offenkundig. So ist als Eigentümer der über 300 Millionen Euro teuren „Amadea“ die Firma Millemarin Investment Ltd. eingetragen und es gibt unterschiedliche Angaben dazu, wer sich dahinter verbirgt. So sagen Millemarin-Anwälte, das Schiff gehöre dem russischen Milliardär Eduard Chudainatow, der nicht von Sanktionen betroffen sei.

Weniger auffällig wie bei den Schiffen sind andere Beteiligungen. Beispiel TUI: Hauptaktionär des deutschen Reiseriesen war lange der russische Stahlmagnat Alexej Mordaschow. Die EU nahm den als kremltreu geltenden Milliardär Ende Februar auf ihre Sanktionsliste. Doch kurz davor hatte er formell den weitgehenden Rückzug aus dem Kreis der TUI-Eigentümer eingeleitet. Sein Anteil an der Firma Unifirm, die 27,16 Prozent an TUI hält, wurde an die Beteiligungsgesellschaft Ondero verkauft.

Im März legte die italienische Finanzpolizei im Hafen von Imperia bei San Remo die Jacht „Lady M“ des Tui-Großaktionärs Alexej Mordaschow an die Kette. AP/Antonio Calanni

Verwickelte Besitzverhältnisse beim Reise-Konzern Tui

Als „kontrollierende Gesellschafterin“ von Ondero wird allerdings Marina Mordaschowa genannt – seine Ehefrau. Und auch sie kam  später auf die Sanktionsliste. Und die Übertragung der Anteile ist „schwebend unwirksam“, da das Bundeswirtschaftsministerium den Verkauf von Unifirm untersucht. So haben im Moment weder Mordaschow, der noch 3,75 Prozent über seine Firma Severgroup hält, noch seine Ehefrau Zugriff auf die Anteile, wie TUI betont.

Erstmals Wohnungen von Russen in Deutschland beschlagnahmt

Wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine sind in Deutschland nach offiziellen Angaben erstmals Wohnungen und ein Bankkonto von russischen Staatsbürgern beschlagnahmt worden. „Nach unserem Kenntnisstand ist es der erste Fall, dass tatsächlich Immobilien beschlagnahmt wurden“, sagte Oberstaatsanwältin Anne Leiding am Montag in München.

Die drei Wohnungen im Eigentum eines russischen Ehepaars – der Mann ist Abgeordneter der Staatsduma –  befinden sich Leidings Angaben zufolge in München, auf dem beschlagnahmten Konto gingen derzeit monatliche Mietzahlungen von rund 3500 Euro ein. Weitere Details wollte sie nicht bekannt machen: Die Mieter hätten über das Mietverhältnis hinaus keinerlei Bezug zu den Russen und sollten  geschützt werden. Ihre Miete bleibe gleich, müsse aber jetzt ans Amtsgericht München gezahlt werden.

Der Abgeordnete steht seit dem 23. Februar auf der Liste der sanktionierten Personen. Er habe laut Staatsanwaltschaft damals im russischen Parlament für eine Entschließung gestimmt, die den russischen Präsidenten Wladimir Putin aufforderte, die von  Separatisten beanspruchten ostukrainischen Gebiete Donezk und Luhansk als unabhängige Staaten anzuerkennen. Ermittelt werde gegen beide Eheleute wegen Verstoßes gegen das Außenwirtschaftsgesetz.

Alexej Mordaschow, hier 2018 bei der TUI-Hauptversammlung in Hannover, hat einen Großteil der Stimmrechte an TUI seiner Ehefrau überschrieben. dpa/Swen Pörtner

Solche Fälle sind bezeichnend für viele Versuche, bei Milliardären und Politikern aus Russland durchzugreifen. „Russische Eliten und Oligarchen sind vermutlich unter den besten auf der Welt darin, ihren Reichtum zu verbergen“, sagte ein leitender Beamter des US-Finanzministeriums der „Washington Post“. Die exponierten Luxusjachten, Villen und Privatjets seien relativ einfach zu greifen. Schwierig sei es aber, durch Firmenverschachtelungen durchzusteigen, hinter denen das eigentliche Vermögen versteckt sei.

EU fror fast zehn Milliarden Euro von Oligarchen ein

In der EU wurde nach Zahlen von Ende Mai seit Kriegsbeginn am 24. Februar Vermögen russischer Oligarchen im Wert von knapp 10 Milliarden Euro eingefroren. Die EU-Kommission schlug zudem vor, das Umgehen von Sanktionen EU-weit als Straftat zu definieren. Damit könnten russische Oligarchen leichter enteignet werden, wenn sie EU-Sanktionen unterlaufen.

Woher stammt das Vermögen der russischen Oligarchen?

Die Anfänge des Reichtums in der Hand weniger gehen meist auf die 1990er Jahre zurück. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die zuvor staatseigenen Betriebe privatisiert. Zum Konzept der Reformer unter Präsident Boris Jelzin gehörten Wert-Schecks, die an Bürger verteilt wurden und bei Privatisierungs-Auktionen eingesetzt werden konnten. Doch aus der Idee eines „Volks von Eigentümern“ wurde nichts:  Geschäftsleute kauften in großem Stil Wert-Schecks zusammenkauften. Nach einer zum Teil von viel Gewalt begleiteten Umverteilung landete die Kontrolle über Großbetriebe lukrativer russischer Industrien – Stahl, Metalle, Düngemittel – bei einer Handvoll Unternehmer. So wurden sie auch Oligarchen genannt, von Oligarchie, dem altgriechischen Begriff für die Herrschaft weniger.