Start einer nuklearwaffenfähigen russischen Iskander-Rakete. imago

Plant Russland den baldigen Einsatz von Atomwaffen in der Ukraine oder sogar gegen die Nato? Beobachtern fällt auf, dass im russischen Staatsfernsehen eine derartige, einseitige Eskalation tagtäglich zur besten Sendezeit thematisiert wird. Bislang galten Atomwaffen auch nach russischer Militärdoktrin als Abschreckung für den Ernstfall, dass die Landesverteidigung mit konventionellen Waffen nicht mehr zu garantieren sei.

Doch nun erweckt Russland den Eindruck, diese Waffen erstmals überhaupt in einem Angriffskrieg einzusetzen – möglicherweise um eine drohende Niederlage in der Ukraine abzuwenden. Diesen Ernstfall haben die russischen Streitkräfte gerade getestet, in der russischen Exklave Kaliningrad.

Russland testet Atom-Angriff auf militärische Ziele eines imaginären Feindes

Dort hat die Armee nach Angaben aus Moskau inmitten der Offensive in der Ukraine Angriffe mit nuklearwaffenfähigen Raketen simuliert. Im Rahmen einer Übung hätten rund hundert Soldaten den „elektronischen Start“ von mobilen ballistischen Raketensystemen mit Atomwaffen vom Typ Iskander simuliert, erklärte das Verteidigungsministerium am Mittwoch. Die Streitkräfte übten demnach Angriffe auf militärische Ziele eines imaginären Feinds sowie die Reaktion auf einen Gegenschlag.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat seit Beginn der Militäroperation in der Ukraine angedeutet, dass er bereit sei, Russlands taktische Atomwaffen einzusetzen. Ende Februar versetzte Russland seine Atomstreitkräfte in höhere Alarmbereitschaft. Der Kremlchef warnte zudem vor einer „blitzschnellen“ Vergeltung, falls der Westen direkt in den Ukraine-Konflikt eingreift.

Russisches Staatsfernsehen schwört Bevölkerung auf Atom-Schlag ein

Beobachtern zufolge hat das russische Staatsfernsehen in den letzten Tagen versucht, der Öffentlichkeit den Einsatz von Atomwaffen schmackhaft zu machen. „Seit zwei Wochen hören wir auf unseren Fernsehschirmen, dass die Atomsilos geöffnet werden sollten“, sagte der russische Journalist und Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow am Dienstag.

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Kaliningrad ist eine russische Enklave an der Ostsee zwischen den beiden EU- und Nato-Mitgliedern Polen und Litauen. Kurz vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine hatte das Polnische Institut für Internationale Angelegenheiten die militärische Entwicklung in der Oblast Kaliningrad geschildert - hier auf Deutsch zu lesen.