Demonstranten auf dem Weg zur russischen Botschaft in Berlin. Imago/snapshot

Die schockierenden Berichte mehren sich. Während die russische Armee weiterhin die Ukraine angreift und dabei auch nicht vor zivilen Zielen Halt macht, kämpft der Kreml auch an anderen Fronten. So ist es kein Geheimnis, dass in den zozialen Netzwerken eine Trollarmee unterwegs ist, die die Propaganda der russischen Machthaber verbreitet. Auch vor Cyberangriffen durch Hacker hatten Experten immer wieder gewarnt – und offenbar werden nun auch Menschen eingeschüchtert, die sich für Menschen einsetzen, die vor Putins Krieg fliehen mussten.

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Ukraine-Helfer findet nach Einbuch weißes Pulver im Bad

Der Fall klingt nach einem Agentenfilm: Nach einem Bericht von WDR und Süddeutscher Zeitung (SZ) wurde in der vergangenen Woche bei einem Helfer, der Hilfstransporte von Deutschland in die Ukraine organisiert, eingebrochen. Dabei soll nichts gestohlen worden sein, lediglich aus dem Mülleimer seien Kassenzettel gekramt worden. Und: Im Badezimmer soll „weißes Pulver“ verteilt worden sein.

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Das Berliner Landeskriminalamt (LKA) soll inzwischen in der Sache ermitteln. Auch die Sicherheitsabteilung der Ukrainischen Botschaft in Berlin ist informiert. „Wir gehen davon aus, dass wir durch solche Taten eingeschüchtert werden sollen“, zitiert die Tagesschau Masha Borysenko, die Sprecherin von „Vitsche“ („Zusammen“), einem Verein, der Menschen hilft, die vor dem Krieg nach Deutschland geflohen sind.

Man wisse zwar nicht genau, wer hinter dem Einschüchterungsversuch stecke, sagte sie, aber „es ist nicht auszuschließen, dass es pro-russische Strukturen oder Gruppierungen sind, die uns davon abhalten wollen, den Menschen in der Ukraine zu helfen“.

Auch sie selbst habe demnach immer wieder das Gefühl, dass etwas nicht stimme. Immer wieder würden komische Leute bei ihren Veranstaltungen auftauchen und Fotos von den Helferinnen und Helfern machen. Auch die Handys von Helfern würden sich merkwürdig verhalten. Sie vermutet russische Hacker am Werk.

In Deutschland gibt es mehr Straftaten mit Bezug zum Ukraine-Krieg

Doch wie aus der Recherche von SZ und WDR hervorgeht, hat die Polizei bislang noch keine eindeutigen Anhaltspunkte dafür, wer für diesen Einschüchterungs-Einbruch verantwortlich sein könnte. Aber: In ganz Deutschland stellen Polizeibehörden derzeit eine steigende Anzahl von Straftaten fest, die im Zusammenhang mit dem Krieg gegen die Ukraine stehen.

Laut dem Bericht hat das Bundeskriminalamt (BKA) bereits mehr als 500 Straftaten registriert. In den meisten Fällen handelt es sich um Bedrohungen und Beleidigungen. Doch es habe auch schon direkte körperliche Attacken auf russisch- oder ukrainischsprachige Menschen gegeben. So wurde in Berlin eine russische Schule Ziel eines Brandanschlags.

Der Brandsatz entzündete sich am Eingang zur Sporthalle einer russischen Schule in Berlin. Morris Pudwell

Unter Berufung auf Sicherheitskreise heißt es in dem Bericht auch, dass man sehr genau beobachte, ob es zu gezielten Aktionen staatlicher russischer Stellen gegen ukrainische Ziele in Deutschland komme. Man befürchte, dass es zu Sabotageakten oder anderen Angriffen kommen könnte, um die Unterstützung für die Ukraine zu schwächen.

Bericht: Russische Spionageaktivitäten überraschend gering

Konkrete Anhaltspunkte dafür gebe es bislang aber nicht. Im Gegenteil: Die Spionageaktivitäten aus der Russischen Botschaft und den Konsulaten heraus sollen vielmehr auf einem überraschend niedrigen Niveau sein.

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Zuletzt wurde allerdings eine Sabotage-Einheit des russischen Militärgeheimdienstes GRU in der Ukraine aufgegriffen. Dabei wurden Aufzeichnungen und Koordinaten gefunden, die darauf hindeuten, dass die Agenten Ziele in Deutschland markiert hatten. Hierbei handelte es sich allerdings nicht um ukrainische Aktivistinnen und Aktivisten, sondern um Einrichtungen der Bundesnetzagentur, wo man auch zur Fragen der der Energiewirtschaft forscht.