Gregor Gysi (l.) besucht in Lemberg auf seiner Reise in die Ukraine eine Suppenküche. Waffenlieferungen von Deutschland an die Ukraine würden ihm nicht schmecken. dpa/Michael Schlick

Er ist zurück und er bleibt skeptisch. Gregor Gysi hatte sich am Dienstag wie so viele andere Politiker auf den Weg Richtung Osten in die Ukraine begeben, um sich selbst ein Bild von der Lage in dem von Russland überfallenen Land zu machen. Nun ist er zurück und hält mit seinen Vorbehalten gegen Waffenlieferungen aus Deutschland an die Ukraine nicht hinter dem Berg: „Wir haben 27 Millionen Tote im Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion, überwiegend Russinnen und Russen, verursacht“, sagte der Linken-Politiker. „An zweiter Stelle kommen schon die getöteten Ukrainerinnen und Ukrainer und dann Menschen anderer Nationalitäten.“ Deutschland dürfe nicht eine Ex-Sowjetrepublik gegen die andere aufrüsten. Die Ukraine habe dabei natürlich das Recht, sich zu verteidigen und Waffen zu importieren, sagte der 74-Jährige.

Gysi mag Putin nicht mehr – dennoch soll sich Deutschland raushalten

Und zu einem wie auch immer zu erreichenden Kriegsende meint Gysi, dass es nicht Deutschlands Aufgabe sei zu entscheiden, wie ein Ende des Krieges zu erreichen sei. Sollte die ukrainische Regierung einen Kompromiss mit dem Kreml eingehen wollen, könne die Bundesregierung das nicht verbieten. „Ich kann nur hoffen, dass Russland und die Ukraine sich so schnell wie möglich auf einen Waffenstillstand verständigen.“

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Und was immer Gysi vom russischen Präsidenten je gehalten hat. Nach der Rückkehr von seiner Ukraine-Reise wird er deutlich in seiner Abrechnung mit dem Kreml: „Ich bin mit dem Putin-Regime fertig.“ Er betonte aber auch, dass es ein Russland nach dem jetzigen Präsidenten Wladimir Putin geben werde. Daher sei es falsch, alle Brücken abzubrechen.

Gysi besuchte während seiner Reise eigenen Aussagen zufolge unter anderem die ukrainische Hauptstadt Kiew sowie die westukrainische Stadt Lwiw. Auch im Kiewer Vorort Butscha, wo vor einigen Wochen die Leichen Hunderter ermordeter Zivilisten gefunden worden waren, sei er gewesen.

Ukraine-Krieg: Gysi hofft auf „Geheimdiplomatie“ zwischen Russland und USA

Schon während seiner Reise hatte sich Gregor Gysi betont, dass er auf geheime Verhandlungen zwischen Russland und den USA zur Beendigung des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine setze: „Worauf ich ausnahmsweise mal hoffe - sonst bin ich ja immer dagegen – auf Geheimdiplomatie“. Und auch wenn er an ein baldiges Ende des Krieges nicht glauben mag, „Ich hoffe, es gibt sie zwischen den USA und Russland.“ Fragt sich nur, wie die Ukrainer das finden werden.