Getreidefrachter aus der Ukraine warten vor dem Bosporus auf die Inspektion, ob sie wirklich nur Lebensmittel geladen haben.
Getreidefrachter aus der Ukraine warten vor dem Bosporus auf die Inspektion, ob sie wirklich nur Lebensmittel geladen haben. AFP/Ozan Kose

Das Verhältnis der Türkei zu Russland ist kaum zu durchschauen: Einerseits sucht Präsident Recep Tayyip Erdogan die Nähe zu Moskau, dann wiederum widersetzt er sich russischen Plänen. Aktuell wehrt sich Ankara der von Wladimir Putin angedrohten Blockade von ukrainischen Getreidelieferungen über das Schwarze Meer und durch den Bosporus.

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Russland hatte nach einem ukrainischen Angriff auf seine Kriegsflotte in Sewastopol (Krim) das Abkommen zum sicheren Getreidetransport von Odesa aus ausgesetzt. Dennoch sind mit ausdrücklicher Billigung der Türkei weiter Frachter unterwegs. Aktuell haben 15 die Ukraine verlassen, meldeten die Vereinten Nationen (UN), zwei steuern Odesa an, um zu laden. 

Auf Twitter wurde das unter anderem spöttisch „kommentiert“.

Die Schiffe fahren damit ohne Zustimmung Russlands durch einen Seekorridor, der laut Abkommen nicht angegriffen werden darf – der Kreml will das aber nicht akzeptieren.

Die Vereinbarung über ukrainische Getreideexporte war im Juli von den UN und der Türkei vermittelt worden, um Hunger in weiten Teilen der Welt zu verhindern. Seither sind laut UN 470 Schiffe aus ukrainischen Häfen mit fast zehn Millionen Tonnen Fracht ausgelaufen. Die Ukraine ist neben Russland einer der größten Getreideproduzenten.

Russland hatte das Abkommen am Sonnabend ausgesetzt, nachdem die Ukraine Kriegsschiffe seiner Schwarzmeerflotte attackiert hatte. Die UN, Ankara und Kiew einigten sich dann am Sonntag, die Transporte auch ohne Mitwirkung Russlands fortzusetzen.

Gefährliche Fahrt zwischen Seeminen

 Auf Grundlage der bisherigen Vereinbarungen werden die Frachter zunächst von ukrainischen Schiffen durch vermintes Gebiet in internationale Gewässer gelotst. Dann fahren sie weiter in den vereinbarten Seekorridor. Auch an den Exporten beteiligte Häfen dürfen laut Abkommen nicht angegriffen werden. 

Die Türkei will weiter vermitteln, um das Abkommen zu retten. Verteidigungsminister Hulusi Akar telefonierte am Montag mit seinem russischen Kollegen Sergej Schoigu. Akar bat Moskau, die Entscheidung zur Aussetzung noch einmal zu überdenken, teilte sein Ministerium mit. Akar sei auch mit seinem ukrainischen Amtskollegen Olexij Resnikow in Kontakt. „Die Aussetzung dieser Initiative wird niemandem etwas nutzen“, betreffe aber die ganze Menschheit, erklärte der türkische Minister.

Auch nach Lesart der UN kann der Export trotz der von Russland angekündigten Aussetzung des Abkommens weitergehen. „Unser Verständnis ist, dass Initiative und Verpflichtungen auch während der Aussetzung der Teilnahme Russlands in Kraft bleiben“, sagte UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths  bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates in New York.  

Russland stört den Schiffsverkehr bislang nicht

Russland will die Fortsetzung der Exporte über das Schwarze Meer nicht zulassen, störte den Schiffsverkehr im Getreidekorridor zunächst aber nicht. Die Vereinbarung könne „nicht ohne uns umgesetzt werden“, sagte der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja bei der Sitzung. Gleichzeitig könne Moskau „eine ungehinderte Passage von Schiffen ohne unsere Inspektion nicht zulassen.“ Die findet vor der Bosporus-Passage vor Istanbul statt, jetzt nur noch durch die UN und die Türkei, ohne Russen.

Russland drohte schon länger mit einem Ausstieg aus der Vereinbarung, weil es seine eigenen Getreide- und Düngerausfuhren nicht genügend gefördert sah.   

Die UN