Wladimir Putin ist frustriert. imago/ITAR-TASS

Den Einblick in das Innerste der russischen Macht haben nicht viele. Deshalb sind Stimmungsberichte aus dem Kreml auch immer mit Vorsicht zu genießen. Denn alle, die es wirklich beurteilen können, riskieren ihr Leben, wenn sie dabei erwischt werden, wie sie Interna ausplaudern. Das gilt vor allem im Krieg.

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Es sind Geheimdienste, die jetzt Informationen lancieren. Von US-Spionen ist zu hören, dass die Stimmung im Kreml desolat sei. Aber das müssen sie wohl auch verbreiten. Die Glaubwürdigkeit dürfte also heftig bezweifelt werden, wäre da nicht ein angeblicher russischer Spion. Aktivisten haben seinen Bericht geleakt. Und die Inhalte sind brisant.

Mit großer Sorge blicke der russische Geheimdienst FSB  laut der britischen „Times“ auf die Ukraine. Die Zeitung beruft sich dabei auf eben diesen Whistleblower des FSB, der die Lage in dem geleakten Dokument zusammengefasst hat. Laut dem FSB-Insider sei der Krieg ein „Totalversagen“ und Russlands aktuelle Lage vergleichbar mit dem Niedergang Nazideutschlands.

Geheimdienst wusste nichts von Putins Plänen

Auch der Rest des Textes hat es in sich. Demnach soll der Geheimdienst kaum etwas von den Einmarschplänen Putins gewusst haben. Zwei Wochen nach Beginn der Invasion hätten alle den Überblick verloren. So wisse niemand im Kreml genau, wie viele Tote es auf Seiten der russischen Armee gegeben habe. „Der Kontakt mit wichtigen Divisionen“ sei verloren gegangen. Es könne gut sein, dass mehr als 10.000 Soldaten gefallen seien. Genau wisse es aber niemand. Offiziell ist beim russischen Verteidigungsministerium bislang von weniger als 500 Toten die Rede.

Veröffentlicht hat den brisanten Report der russische Menschenrechtsaktivist Vladimir Osechkin auf Facebook. Die Experten von Bellingcat stufen ihn als authentisch ein. Zwei weitere Quellen beim FSB hätten „keine Zweifel“ daran, dass der Rapport von einem Geheimdienst-Kollegen stammt. Ein Rest Unsicherheit bleibt natürlich.

Fatalistisch sind die in dem Bericht skizzierten Zukunftsaussichten. Dem russischen FSB-Analysten zufolge fehle Russland ein Ausweg: „Es gibt keine Optionen für einen möglichen Sieg, nur Niederlagen.“ Die russische Armee drohe an sehr entschlossenen Ukrainern zu verzweifeln.

Mit Molotowcocktails: Die Ukrainer leisten deutlich mehr Widerstand als von Putin erwartet. imago/UPI Photo

Besetzung der Ukraine fast unmöglich

Putins größtes Ziel sei die Ermordung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Aber selbst wenn das gelinge, sei es fast unmöglich, die Ukraine erfolgreich zu besetzen. Selbst bei „minimalem Widerstand der Ukrainer bräuchten wir mehr als 500.000 Mann, Nachschub und Logistik noch nicht eingerechnet“.

Die Berichte über die russischen Einschätzungen finden ihr Pendant bei den jüngsten Erkenntnissen der amerikanischen Geheimdienste. Demnach sei Putin zunehmend frustriert über die ins Stocken geratene Invasion. So berichtete es zumindest der Sender NBC und berief sich dabei auf Geheimdienstquellen. „Wir glauben nicht, dass er realistische Einblicke hat in das, was gerade passiert“,  zitiert der Sender einen Diplomaten.