Die ukrainische Delegation kam in einem belarussischen Militärhubschrauber aus Kiew zum Verhandlungsort in der grenznahen belarussischen Region Gomel. imago/Sergej Kholodilin

Vertreter der Ukraine und Russlands sind am Montag gegen Mittag in Belarus zu Friedensgesprächen zusammengekommen. Die Ukrainer kamen mit belarussischen Militärhubschraubern zu dem schlossähnlichen Gebäude in der Nähe des ukrainisch-belarussischen Grenzflusses Pripjat, wo die Verhandlungen dann aufgenommen wurden.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der unter anderem seinen Verteidigungsminister nach Belarus schickte, hatte sich vor den Verhandlungen Treffen skeptisch gezeigt. „Ich glaube nicht an ein Ergebnis dieses Treffens, aber lasst es uns versuchen“, sagte Selenskyj in einer Stellungnahme. Er versuche, den Krieg zu stoppen, solange es eine minimale Chance gebe.

Die Delegationen sitzen sich gegenüber: Links mit Brille der russische Verhandlungsführer Wladimir Medinski, rechts mit Mütze sein ukrainischer Gegenpart David Arachamija. imago/ITAR-TASS

Die Ukrainer gingen mit klaren Vorstellungen in die Gespräche. „Die Schlüsselfrage der Verhandlungen ist die unverzügliche Feuereinstellung und der Abzug der Truppen vom Territorium der Ukraine“, hieß es in einer Mitteilung.

Der russische Delegationsführer Wladimir Medinski hatte erklärt, Moskau sei interessiert an einer Einigung. Nach einer Pause am Nachmittag wurde weiter verhandelt, meldeten russische und belarussische Medien.

Am Abend die ernüchternde Botschaft: Die Teilnehmer der Verhandlungen seien in ihre in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Einigung? Fehlanzeige. Dennoch bleibt ein Hoffnungsschimmer: Beide Seiten hätten eine Reihe Themen festgelegt, zu denen es Gesprächsbedarf gebe, und hätten eine zweite Gesprächsrunde vereinbart, teilte der ukrainische Unterhändler Mychailo Podoljak mit. Der russische Delegationsleiter Wladimir Medinski sagte, es sei vereinbart worden, die Verhandlungen fortzusetzen.

Der russische Angriff auf die Ukraine scheint inzwischen ins Stocken geraten zu sein. Das britische Verteidigungsministerium, das nüchterne Berichte seines Nachrichtendiensts auf Twitter veröffentlicht, schrieb am Montagmorgen, dass die Hauptmacht der russischen Truppen etwa 30 Kilometer vor Kiew stünde und ihr Vormarsch durch den Widerstand der Ukrainer verlangsamt werde.

Charkiw und Tschernihiw seien heftig umkämpft, aber weiter in ukrainischer Hand. Das in Warschau ansässige Nachrichtenportal Nexta veröffentlichte unterdessen Bilder von heftigem Beschuss von Wohnvierteln in Charkiw. Die dortigen Behörden vermeldeten Dutzende toter Zivilisten.

Die Briten bestätigten Berichte, dass die russischen  Truppen Probleme mit dem Nachschub haben: Zuvor waren Videofilmchen aufgetaucht mit wegen Spritmangels liegengebliebener Panzer.

Schließlich, so heißt es aus London, hätte die russische Armee erstmals Verluste zugeben müssen. Die ukrainischen Meldungen vieltausendfacher russischer Verluste sind nicht überprüfbar.