2015 kamen Wladimir Putin, Angela Merkel, Francois Hollande und Petro Poroschenko in Minsk zusammen. dpa

Frankreichs Ex-Präsident François Hollande hat Kremlchef Wladimir Putin als Lügner bezeichnet. „Mit Putin zu reden bedeutet, ihm stundenlang zuhören zu müssen in dem Wissen, dass er nichts von dem macht, was er sagt und nichts von dem sagt, was er tun möchte“, sagte Hollande am Dienstag im Interview der Zeitung „Le Monde“.

Putins Methode sei die ewiger Vorträge mit historischen Exkursen, die ihm erlaubten, keine Fragen präzise zu beantworten sowie keine von ihm erwarteten Konzessionen einzugehen, sei es humanitärer oder politischer Natur. „Die Lüge ist bei ihm eine zweite Natur.“

Hollande, der von 2012 bis 2017 im Élyséepalast regierte, bezeichnete es dennoch als sinnvoll, dass sein Amtsnachfolger Emmanuel Macron den Gesprächskanal zu Putin nicht abreißen lässt. Ein Dialog um des Dialoges Willen habe aber keinen Sinn.

„Heute möchte Putin nicht wirklich verhandeln. Sein Kriegsziel ist, ein möglichstes großes Gebiet der Ukraine zu besetzen, vor allem im Osten, den Donbass, den er dann morgen in die Russische Föderation integrieren kann, und dann den Süden, in Fortsetzung der Krim.“

Eine Reise von Macron nach Kiew sei im Moment angesichts der bevorstehenden Präsidentschaftswahl in Frankreich unangebracht. „Aber die erste Reise des nächsten französischen Präsidenten sollte nach Kyjiw gehen.“

Nach der Annexion der Krim durch Russland 2014 hatte Hollande mit der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) um eine diplomatische Lösung gerungen und mit Putin und dem seinerzeitigen ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko die Verträge von Minsk einschließlich eines Waffenstillstands ausgehandelt.