Unter den Flüchtlingen aus der Ukraine sind vorwiegend Frauen und Kinder. Die Sorge davor, dass Kriminelle die Not der Schutzsuchenden ausnutzen könnten, wächst. epd

Angesichts der großen Zahl schutzsuchender Frauen aus der Ukraine werden Warnungen vor Ausbeutung und Zwangsprostitution laut. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zeigte sich besorgt, dass die Not geflüchteter Frauen ausgenutzt werden könnte. Es müsse genau geschaut werden, dass nicht jemand privat eine Unterkunft zur Verfügung stellt, um auf diese Weise eine Frau unter seine Gewalt zu bringen, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Autorin und Aktivistin Huschke Mau sieht eine Gefahr für geflüchtete Frauen, von Zuhältern an der Grenze für die Prostitution angeworben zu werden.

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Hermann mahnte zu Wachsamkeit. Die Polizei sei für das Thema sensibilisiert. Aktuell seien ihm in Bayern aber noch keine Fälle bekannt. Zugleich warnte Herrmann davor, ehrenamtliche Helfer unter Generalverdacht zu stellen. Dafür gebe es keinen Anlass. Der Großteil wolle den Geflüchteten einfach nur helfen.

Deutschland ist Zielland für Menschenhandel

Mau erklärte, es gebe viele junge Rumäninnen und Bulgarinnen in den deutschen Bordellen. Auch Ukrainerinnen würden bald dort sein. Deutschland sei das Zielland für den Menschenhandel, sagte sie dem epd. „Wir dürfen nicht länger das Land sein, das dafür bekannt ist, die Notlage von Frauen auszunutzen. Das muss uns endlich peinlich werden“, forderte die Autorin des jüngst erschienenen Buchs „Entmenschlicht. Warum wir Prostitution abschaffen müssen“.

Auch die Fachberatungsstelle „Jadwiga“, die Opfern von Menschenhandel und Zwangsprostitution hilft, zeigte sich angesichts der aktuellen Situation besorgt. Anders als 2015 kämen derzeit vorwiegend Frauen mit Kindern in Deutschland an. Um sie vor einer möglichen Ausbeutung zu warnen, werde man in den nächsten Tagen an Bahnhöfen, in Beratungsstellen und in Unterkünften einen Flyer auf Ukrainisch, Englisch und Deutsch verbreiten, sagte Jadwiga-Leiterin Monika Cissek-Evans dem epd: „Die Frauen müssen auf ihren Pass und ihr Telefon aufpassen, Namen und Adresse von Gastgebern notieren und auch Frauen nicht blind vertrauen – Menschenhändler sind nicht nur Männer.“

Cissek-Evans forderte auch, dass zum Schutz der Frauen bei der Vermittlung von Privatunterkünften eine Registrierung von Gastgeber und Gast erfolgen müsse. In staatlichen Unterkünften müsse alleinreisenden Frauen ebenfalls mehr Schutz geboten werden, beispielsweise durch separate Räume.