Kinder müssen in den Kellern des Stahlwerks Asow in Mariupol ausharren. Twitter/Asow

Man muss sich diese Videos mit einer gewissen Distanz ansehen, denn verbreitet werden sie von einer höchst umstrittenen Einheit der ukrainischen Armee, dem Bataillon Asow im Südwesten des Landes. Asow wird vorgeworfen, rechtsradikale Kämpfer in den eigenen Reihen zu halten, Vorwürfe, die allerdings auch gegen Russlands skrupellose Killer-Einheit Gruppe Wagner und andere Armeeeinheiten erhoben werden.

Kinder harren im Keller des Stahlwerks von Mariupol aus, während russische Granaten einschlagen

Asow ist die letzte Einheit, die sich den russischen Invasoren in Mariupol mit Entschlossenheit entgegenstellt, obwohl der Gegner haushoch überlegen ist. Der letzte von der Ukraine gehaltene Teil der Stadt ist ein riesiges Stahlwerk, Asow-Stahl, in dessen Kellern Zivilisten Schutz gesucht haben – unter ihnen viele Kinder.

Die herzzerreißenden Videos, die derzeit weltweit die Runde machen, zeigen, unter welchen Umständen die Kinder in den Kellern ausharren, mehrere Stockwerke tief unter der Erde.

Ein Mädchen berichtet, am 27. Februar habe sie zusammen mit ihrer Mutter und Großmutter dort Schutz gesucht. Seitdem habe sie kein Tageslicht mehr gesehen. So gerne würde sie endlich herauskommen, wenn es sicher wäre. Doch sie weiß: Auf der Straße lauert der Tod. Wer sich auf den Straßen aufhält, läuft Gefahr, von Granatsplittern getroffen zu werden.

Russlands Präsident Putin will die Menschen im eingeschlossenen Stahlwerk aushungern lassen

Wenn sie es könnte, würde sie in den Westen der Ukraine fliehen, nach Lwiw an der polnischen Grenze. Sie spricht von ihren Brüdern, die nicht mit ihnen in den Kellergewölben Schutz suchen konnten. Einer ihrer Brüder war gerade in der ukrainischen Stadt Charkiw, als ihr Haus evakuiert wurde. Er habe es geschafft, sich bis Lwiw durchzuschlagen, bevor Charkiw bombardiert wurde.

In einer längeren Version der zuerst auf Telegram veröffentlichten Videos ist zu sehen, wie Soldaten den Kindern von oben einige wenige Lebensmittel hinunterbringen. Trotz der unfassbaren Umstände, unter denen sie seit Wochen leben, lachen die Kinder, freuen sich, den Asow-Soldaten zu sehen. Sie berichten, wie sie in den Kellern spielen, Körbe flechten, sich irgendwie beschäftigen.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte in einer im russischen Staatsfernsehen übertragenen Besprechung mit seinem Verteidigungsminister Sergej Schoigu verfügt, Asow-Stahl nicht zu bombardieren. Stattdessen sollen die dort verbliebenen Menschen ausgehungert werden, also auch die Kinder, die trotz allem bislang noch nicht ihr Lachen verloren haben.